Puuuuh, was für ein Jahr. Das, womit wir uns alle beschäftigten und was uns irgendwie in Schach hielt, hat so wohl niemand erwartet oder in seine Pläne einkalkuliert. Ich ebenso wenig. Daher hatte man den Eindruck, als würde nichts passieren und 2020 ereignislos vor sich hin plätschern. Rückblickend war jedoch trotz allem einiges bei mir los. Es folgt daher wohl der längste Jahresrückblick seit 2015. Holt euch eine Tasse Tee und macht’s euch bequem, es geht jetzt los:

Januar

Das neue Jahr startet mit schlechter Laune, mieser Kommunikation und einer allmählichen „Ihr könnt mich doch alle mal“-Mentalität. Eigentlich habe ich keine Lust mehr, mich von anderen herunterziehen zu lassen, außerdem habe ich mir ein privatpersönliches Projekt vorgenommen: Endlich mein Schlafzimmer streichen und damit für mehr Gemütlichkeit in dem Raum sorgen.
Die Umsetzung davon hatte ich mir unter anderen Umständen vorgestellt und es zog sich dann doch echt ewig. Aber ich denke auch, dass das Projekt gut dafür war, währenddessen gewisse schlechte Gefühle loszulassen und mich ein wenig abzureagieren. Mit dem Ergebnis, auch wenn es nicht perfekt ist, bin ich zufrieden und ich fühle mich sehr viel wohler in dem Raum.

Außerdem miste ich mal wieder aus. Kleiderschrank. Möbel. Sonstige Geräte. Anschließend folgt ein IKEA-Ausflug mit Jonas am ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres. Das, was ich eigentlich wollte, nicht gekauft, weil vergessen, aber dafür umso mehr gegessen.

Einige Tage später folgt ein Saturn-Ausflug, um meine PS2 an meinem Fernseher zum Laufen zu bekommen. Wir kaufen Adapter, fahren dann zu mir und da alles nach ein paar Testläufen funktioniert, folgt eine spontane Singstar-Session. Wie sehr ich das vermisst habe und wie viel Spaß das gemacht hat.

Die ersten Arbeitstage des neuen Jahres sind intensiv und abwechslungsreich. Ich freue mich sehr auf das, was kommt. Einerseits geht es in großen Schritten mit der Gründung voran, wir besprechen unsere Zusammenarbeit und Prozesse. Andererseits gehe ich die nächsten Schritte in Richtung Coaching bzw. Teamentwicklung. Ein Gespräch mit einem tollen potenziellen Auftraggeber verläuft sehr positiv.

Spieleabend mit Freunden, Wein und Snacks

Da ich mir eine Gruppe zusammengetrommelt habe, die Lust auf analoge Spieleabende hat, gibt es einen Spieleabend. War das schön. Viele weitere sollen folgen.

Ich treffe mich nochmal mit meinem Dezember-Date, schleppe ihn in mein Lieblingscafé und wir verbringen einen langen Nachmittag inklusive einem guten Gespräch miteinander. Spoiler: Wir sehen uns danach nie wieder, weil er überfordert im neuen Job ist und es dann nicht mehr schafft, mir einen neuen Termin für ein Treffen vorzuschlagen. Somit verlieren wir uns aus den Augen und es ist ok.

Eine Einladung zur Geburtstagsfeier einer Arbeitskollegin mit neuen Leuten nehme ich gerne an. Auch das war ein sehr schöner Abend.

Ich nehme mein Sportprogramm wieder auf. Trage mir 3 Termine in der Woche verbindlich ein und nehme mir vor, mindestens zwei davon regelmäßig wahrzunehmen. So zumindest der Plan. Dieser wird mit einem Waffelnachmittag mit Kim besiegelt. In der Tat habe ich es bis zum ersten Schließen aller Fitnessstudios durchgezogen, dreimal die Woche hinzugehen und meinen Trainingsplan durchzuziehen.

Yaska ist happy mit ihrem neuen Bettchen.

Ich sehe den Udo-Lindenberg-Film im Astor.

Neues Jahr, neue Weiterbildung. Ich melde mich für diverse Trainings bei Google an, um notwendige Zertifikate zu bekommen. Teilweise erfolgreich, teilweise nicht so erfolgreich.

Yaska bekommt ein neues Hundebett und dafür fahren Kim und ich spontan mit der S-Bahn nach Bergedorf. Während andere abends auf dem Weg zum Feiern sind, trage ich ein riesiges Hundebett durch die Schanze nach Hause und verlasse danach das Haus ganz sicher nicht mehr.

Ende des Monats treffe ich meine beste Freundin und kann ihr endlich mein Weihnachtsgeschenk übergeben.

Februar

Ich treffe mich mit einer Freundin, die ich Jahre nicht mehr gesehen habe. Es war ein sehr schöner Abend. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch, das mich sehr zum Nachdenken gebracht hat.

Dieses Gespräch hat ein anderes Gespräch mit einem Menschen zur Folge, bei dem mir der ein oder andere Fauxpas unterlaufen ist, der mir dadurch bewusst wurde. Nachdem ich Dinge reflektiert habe und mich gesammelt habe, möchte ich sagen, wie wichtig mir das alles ist. Aber es wird ein sehr zähes Gespräch.

Ich fahre mal wieder nach Süddeutschland zum Geburtstag der besten Freundin meiner Mutter und treffe wiederum alte Freunde. Die Vergangenheitswochen sind in vollem Gange und irgendwie ist es auch schön, mal wieder etwas darin zu schwelgen, wie das damals so alles war. Allerdings auch seltsam, wie wenig man sich noch damit verbunden fühlt, wenn man erst einmal einige Jahre fernab von der ursprünglichen Heimat und in anderen Kreisen unterwegs war.

Ich gebe nochmal ein Einzeltraining für eine neue Mitarbeiterin in dem Verlag, für den ich im Vorjahr gearbeitet habe.

Die letzte Staffel Pastewka wird weggebingt und der Spieleabend #2 findet mit viel Eierlikör und Pizza statt. Leider ist das dann auch der letzte Spieleabend des Jahres.

Am Ende des Monats wird es nochmal etwas turbulent: ich nehme an einem Fotoworkshop teil und lerne viel über entfesseltes Blitzen. Ich bin nicht ganz zufrieden mit dem Tag, weil es sich etwas anfühlt, als fotografiere die Workshopleiterin hauptsächlich für ihr Portfolio. Darüber hinaus waren einige andere Teilnehmer sehr egoistisch unterwegs, was mir von der Gruppendynamik her nicht sonderlich gut gefiel und ich da zurückhaltender bin und mehr auf andere achte, als es wohl andere tun. Dennoch gab es einigen Input und Inspiration, meine Fotografie auf ein neues Level zu bringen. Ich plane, das Gelernte in den nächsten Shoots direkt anzuwenden. Auch da macht mir Corona vorerst einen Strich durch die Rechnung.

Foto-Workshop in Hamburg zum Thema Entfesseltes Blitzen mit viel Input.

Tags darauf fahre ich mit dem Hund im Gepäck nach Heiligenhafen. Ich hatte diese kleine Auszeit eigentlich bereits für den Anfang des Monats gebucht. Aufgrund des heftigen Sturmes konnte ich das jedoch kulanterweise kostenlos umbuchen. Praktischerweise wurde natürlich an den Tagen im Busverkehr gestreikt. Also war ich erst einmal einige Stunden damit beschäftigt, irgendwie eine Route mit öffentlichen Verkehrsmitteln zusammenzustellen, um halbwegs sicher an meinen Zielort zu kommen. Nicht ohne einem Nervenzusammenbruch nahe zu sein. Wohlgemerkt sollte das eine entspannte Auszeit werden. Glücklicherweise ging alles gut und ich hatte mit Yaska ein paar wunderschöne, sonnige Tage am Strand und im Hotel, die wir beide sehr genossen haben. Vielleicht sollte daraus eine Tradition werden?

Heiligenhafen bei schönstem Wetter. Besser hätte ich mir das nicht wünschen können.

März

Für ein Fotoprojekt besorge ich mir in der ersten März-Woche Zubehör. Auf der Fahrt zum Übergabeort sitzt mir zum ersten Mal eine Person mit Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen in der Bahn gegenüber. Fühlte sich zu diesem Zeitpunkt maßlos übertrieben an.

Mit meiner Frisörin rede ich während der Haarefärberei auch über das Thema Corona und wir sind beide sehr entspannt nach dem Motto: Wird schon alles gut gehen. Wie naiv wir doch waren …

Das zweite Märzwochenende verbringe ich mit Besuch und viel Unterwegssein. Leider hinterlässt diese Aktion nach tränenreichem Abschied noch mehr Fragezeichen, als vorher bereits dagewesen.

Für die Küche musste ein neuer Teppich her.

Und dann folgt der erste Shutdown, mit dem ich überhaupt nicht klarkomme. Mir wird das alles zu schnell zu viel. Ich komme nicht hinterher, diese Informationen, Unsicherheiten, Änderungen, die Isolation und die ganzen Meinungen, die ungefiltert auf mich einprasseln, zu verarbeiten. In solchen Phasen hilft mir nur Nähe zu Menschen, die ich nun nicht haben kann. Ich fühle mich alleine, einsam und überfordert. Der Mensch, der da sein sollte, versteht leider gar nichts und verhält sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Diese Situation spitzt sich im Verlauf des Monats immer weiter zu, so dass ich mehrfach nach einer Entscheidung verlange.

Glücklicherweise kann ich auf meine Freunde zählen. Somit beginnt die Zeit der Telefonate, und Meet-Sessions mit Kim und meiner besten Freundin, sowie die stundenlangen samstäglichen Stadtparkspaziergänge mit Jonas inklusive Döner und einem Stück Kuchen. Das Highlight der Woche in dieser Zeit, das für ein wenig Abwechslung sorgt.

April

Ich fange an, mich um meine Scrum-PO-Zertifizierung zu kümmern, zerlege den Lernstoff in einzelne Teile und stelle einen Plan auf.

Highlight des Monats: Ich ich hole mit einem Freund einen Hundewelpen in NRW ab. Die kleine Labrador-Hündin ist unfassbar quirlig und hat einen Schlafzimmerblick drauf, da können andere nur von träumen.
Nachdem wir den Ostersonntag mit Yaska und dem Welpen im Park verbringen, folgt in der darauffolgenden Woche leider unerwartet die traurige Nachricht, dass die kleine Maus verstorben ist. Mich trifft die Nachricht wie ein Schlag und sie bringt mein Fass komplett zum Überlaufen. Mir wird das alles endgültig zu viel. Zu viele negative Nachrichten, kein Ende in Sicht. Wo bleiben die Erfolge und die schönen Momente und Pläne? Es ist der Moment, in dem ich mich aus allem rausziehe und mir gewissermaßen die Decke über den Kopf ziehe und erst einmal von der Bildfläche verschwinde. Auch diesmal kann ich nicht auf diese eine mir wichtige Person zählen und entschließe mich, selbst die Entscheidung zu treffen und das ganze, das noch nicht einmal richtig begonnen hat, komplett zu beenden, um zumindest mit diesem Thema abschließen und nach vorne blicken zu können. Es ist einfach nur kräftezehrend und ich mag nicht mehr. Es dauert knappe zwei bis drei Wochen, bis ich mich wieder einigermaßen aufgerappelt habe.

Wenn abends die untergehende Sonne in mein Schlafzimmer scheint, mag ich den Raum nochmal ein wenig mehr.

Das Ausmisten von Gegenständen geht ebenso weiter und ich verkaufe wieder einmal Teile meiner Foto-Ausrüstung. Diesmal wechselt eine Kamera den Besitzer.

Außerdem schau ich mir 100.000 – Alles, was ich nie wollte an und finde ihn bezaubernd. Fynn und Franzi zusammen aber auch. Jeder sollte einen Fynn oder eine Franzi im Leben haben.

Der Monat endet mit einem Spaziergang mit einer guten Freundin, die mir erzählt, dass sie eine Fehlgeburt hatte. Wir sitzen uns entfernt gegenüber, haben beide Tränen in den Augen und man will sich einfach nur in den Arm nehmen und kann nicht.

Tja. Trotz Corona und dem Gefühl von Stillstand geht das Leben weiter und nimmt überhaupt keine Rücksicht darauf, dass doch eigentlich eh schon so vieles richtig blöde ist.

Mai

Nach der Farce und den vielen guten Berichten über die Nutzung von Tinder & Co. während Corona erstelle ich mir entgegen meines Silvestervorsatzes (den nächsten Mann im echten Leben und nicht online finden) wieder ein Profil und nehme das Dating-Game (auf Abstand) auf.

Mal ein bisschen was für die gesunde Ernährung tun. Schätzungen zu folge habe ich in diesem Jahr so viel selbst gekocht und Essen aus frischen Zutaten zubereitet, wie noch nie zuvor.

Siehe da, die ersten Matches kommen, die Gespräche laufen gut und ich freue ich mich auf das erste Treffen, das sich leider als totalen Reinfall entpuppt. Der Typ, der auf mich zukommt, hat nur im Entferntesten mit seinen Profilbildern zu tun. Nichtsdestotrotz ziehe ich durch. Ein bisschen Spazierengehen schadet nicht. Aber nein, wir werden nicht so richtig warm miteinander, bekommen keine gute Gesprächsdynamik hin und ich bin froh, als wir die Runde geschafft haben. Ich bringe ihn noch zur Bahn und dort umarmt er mich einfach ungefragt. Ich bin so perplex und vor den Kopf gestoßen, dass ich nicht reagieren kann. Ich hatte bereits zur Begrüßung klargemacht, dass Umarmen nicht ist, logischerweise und unterwegs ist zufällig auch mehrfach gefallen, dass ich derzeit nicht einmal meine engsten Freunde umarme. Ein zweites Treffen gibt es von meiner Seite her nicht mehr.

Ich fühle mich für die Prüfung bereit und lege während meines eigentlichen Urlaubs die Zertifizierung zum Professional Scrum Product Owner I mit einem Score von 93,8% erfolgreich ab.

Dann folgt das nächste Match und Date. Das erste Superlike meiner kompletten Tinderkarriere, das ich sogar entsprechend erwidert habe. Wir schreiben nicht zu den Standard-Dingen (Herkunft, Job, Absichten), sondern steigen direkt in Filme und Bücher ein. Wir entwickeln einen Flow, und ich bin gespannt auf den Menschen dahinter. Das Treffen verlief – sagen wir – holprig ab. Vom Flow der Schreiberei ist wenig übrig geblieben, es wird stichelig, bleibt oberflächlich und irgendwie fühlt sich das nicht so rund an. Wir haben uns zwar vier Stunden lang unterhalten, aber ich gehe mit gemischten Gefühlen nach Hause. Da ich ihn aber irgendwie doch interessant finde und das Gefühl habe, dass wir vielleicht beide einen schlechten Tag hatten, verabreden wir uns dennoch zu einem zweiten Treffen. Das kommt dann aber leider nicht zustande. Seine Begründung dafür nervt mich und obwohl ich unsere Gespräche sehr gut fand und mich gerne mit ihm unterhielt, bin ich aufgrund dieser Aussage so sauer, dass ich dem nur zustimme und keine Energie mehr verschwende, ihn davon zu überzeugen, dass man sich meiner Meinung nach durchaus nochmal treffen kann, auch wenn man weiß, dass da nicht mehr draus werden wird. Ich will mich ja nun auch nicht anbiedern und hake das für mich ab.

Zwischenzeitig gerate ich noch an einen Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner und kann es kaum glauben. Nach diversen Rückfragen meinerseits löst er das Match auf. War ihm wohl zu anstrengend.
Ein anderer Typ, bei dem das Treffen quasi bereits steht, dreht komplett ab, weil ich ihm meine Mobilnummer vor dem ersten Treffen nicht geben möchte. Damit disqualifiziert er sich direkt und statt das Haus zu verlassen mache ich mir einen schönen Serienabend.

Allmählich habe ich keine Lust mehr auf dieses erste Kennenlernen und finde es einfach nur noch mühsam und anstrengend. Es läuft immer gleich ab, man beantwortet die gleichen Fragen und erreicht irgendwie nie das nächste Level. Ich sehne mich nach jemandem, der mich kennt. Nach Nähe. Verbundenheit. Vertrautheit. Dieses sich in den anderen hineinversetzen können. Und weil mich das alles nervt, lösche ich wieder alle meine Profile und Datingapps und konzentriere mich lieber auf andere Dinge.

Ende des Monats geht es nach einem miesen Arbeitstag für einen kurzen Ausflug mit Jonas zu IKEA. Weil es ein schöner erster Sommertag war, wollten wir noch ein Getränk besorgen, versacken dann aber bei einem Griechen und mit diversen Aperol Spritz. Am Ende des Abends haben wir zusammen 20 Aperol und 4 Ouzo vernichtet. Freunde, lasst euch gesagt sein: Don’t try this at home. Ich hatte drei Tage lang was davon. Nicht auf eine gute Art.

Ich habe viele Gespräche mit meinen liebsten Freundinnen, sehe sie jetzt wieder öfter bei Spaziergängen auf Abstand und verbringe auch viel Zeit mit Hund und lesend im Garten. Es wird zu einem kleinen Ritual, dass ich mich Mittags für eine halbe Stunde bis Stunde mit einem Glas eiskalter Cola mit Zitrone oder einem Eiskaffee in die Sonne setze und lese, während der Hund irgendeine Kaustange vertilgt. Ich genieße das und mag das sehr.

Juni

Der Monat startet damit, dass ich durch meine Wohnung pilgere und mich von Küchengeräten und Interior-Kram trenne, indem ich alles zu Geld mache. Läuft wie geschnitten Brot und ich habe wieder mehr Platz.

Selfie-Time und ich probiere mehr mit meiner Kamera aus. Irgendwie muss man sich die Zeit vertreiben und Dinge dazu lernen.

Die Teilnahme an der Black-lives-matter-Demo am Jungfernstieg ist Ehrensache und ich bin wieder sehr stolz auf diese Stadt, weil so viele dabei sind und auf die Straße gehen.

Es gibt ein Wein-Picknick auf einer Parkbank mit Abstand, Romeo & Julia und ich kann immer noch fast alles mitsprechen, Wein-Nachmittage und Mittagessensdates mit Freunden, Fischbrötchen an der Elbe und einen Fahrradausflug nach Feierabend an die Elbe mit Kim. Danach ist der Hunger groß und wir besorgen uns etwas zu essen. Es folgt das erste Treffen auf einzelne Personen der Longboard-Crew. Das ist der Beginn einer ganz großen Liebe.

Nach diversen Vorsorgeuntersuchungen setze ich mich mit meiner Zukunftsplanung auseinander und informiere mich über einen Plan B. Das fühlt sich furchtbar erwachsen und irgendwie auch seltsam an. Ich erfahre dabei jedoch interessante Dinge und es fühlt sich auf einmal sehr gut an, das so in die Hand genommen zu haben, um auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen.

Dennoch geht die Laune mal wieder in den Keller. Freundschaften beginnen zu bröckeln, meine Aufgaben machen mir aktuell weniger Spaß und ich nöle ein wenig herum. Die Longboard-Crew stellt fest, dass ich mal raus müsse. Haha ja witzig. Wohin denn und mit wem? Alles ödet mich an. Ich gehe nach Hause und finde mich am nächsten Tag unverhofft in einer Telegram-Gruppe zur Urlaubsplanung wieder. Ich freue mich total darüber, zumal der Plan sogar in die Tat umgesetzt wird.

Wenn wir etwas im vergangenen Jahr hatten, dann war das Zeit. Ich habe mich und einige meiner persönlichen Themen satt und beginne bewusst mit einer Vergangenheitsbewältigung. Ich möchte Baustellen los werden und die vorhandene Zeit sinnvoll nutzen. Los geht’s.

Außerdem starten nun im Garten die Bauarbeiten für ein neues Haus. Byebye Garten, es war toll mit dir und gerade in den letzten Wochen warst du mir ein guter Freund und Zeitvertreib.

Juli

<3

Ich starte meine Selbstreflexionswochen. Dafür besorge ich mir einen großen Stapel an Büchern, die ich nach und nach durchlese und dabei amüsiert feststelle, wie gut die einzelnen Bücher inhaltlich zueinander passen, teilweise sogar aufeinander aufbauen, ohne es zu wollen. Viele Aha-Momente folgen. Das fühlt sich gut an. Abgerundet wird das ganze durch ein mehrwöchiges Online-Coaching, in dem ich viele Dinge aufarbeite, mir anderer Dinge bewusst werde und mehr über mich selbst und meine Wünsche herausfinde. Unwissentlich, aber doch irgendwie beabsichtigt schaffe ich mir damit eine Grundlage für einen guten Sommer.

Ich möchte neue Dinge ausprobieren und herausfinden, ob ich mittlerweile der Typ für Wandern bin. Also werden Wanderschuhe besorgt, ich packe Yaska und Anka ein und ab geht’s in den Wohldorfer Wald. Fazit: Ich mag Wandern. Ich will mehr davon.

Einerseits geht es wieder etwas bergauf, andererseits bekomme ich miese Nachrichten überbracht und stelle wieder einmal fest: wenn ich eines überhaupt nicht leiden kann, ist es, angelogen zu werden und frage mich, was so schwierig daran ist, ehrlich zu sein. Als Ausrede bekomme ich präsentiert, man wolle mich nicht verletzen, aber mal ehrlich: es kommt doch eh raus und angelogen oder hintergangen worden zu sein verletzt meist viel mehr, als die Nachricht ansich. Nach diesem Vorfall ziehe ich meine Konsequenzen. Ich vergebe viele Chancen, aber das ist ein No-Go für mich, das ich jedem immer klar vorab kommuniziere.

Weil mein altes MacBook mittlerweile deutlich an seine Grenzen kommt, bestelle ich mir ein neues, damit die Arbeit wieder schneller funktioniert.

Ich verbringe einen schönen Sommersonntagnachmittag mit neuen, lieb gewonnenen Freunden und freue mich sehr darüber, dass ich als vollwertiges Mitglied im Rudel der Longboard-Crew aufgenommen bin, obwohl ich die einzige bin, die nicht mit longboardet oder skatet. Dadurch verbringe ich in diesem Monat sehr viel Zeit auf der Rollschuhbahn mit Sonne, Büchern und guten Gesprächen mit tollen Menschen.

Dann durfte ich noch an der Landespressekonferenz persönlich und vor Ort teilnehmen (spannend, wenn man sie sonst nur online auf YouTube verfolgt und dann mal selbst im Saal sitzt) und anschließend wurde das Konzept Die Welt in Hamburg vorgestellt.

Landespressekonferenz

Ende des Monats fahre ich für ein Wochenende nach Friesland und sitte ein Haus zur Probe mit. Freistehend. Reetdach. Hühner. Und von Natur umgeben, die Haustür steht den ganzen Tag über offen, Yaska kann sich austoben. Es ist ein Träumchen für mich. Aus den eingesammelten Eiern der Hühner machen wir Eierlikör, der noch am ersten Abend am Lagerfeuer im Garten genossen wird. Ich lieb’s und ich hoffe, dass ich den nächsten Sommer dort verbringen kann.

Schafe in Friesland

Nach diesem Wochenende bin ich so beflügelt und inspiriert, dass ich aufgrund diverser Zufälle einfach ohne großen Anspruch an Perfektion eine Meetup-Gruppe ins Leben rufe. Ich bin sehr erstaunt aufgrund der positiven Resonanz und bin direkt motiviert, mehr zu tun. Der erste Online-Stammtisch folgt und ich stelle fest: da sind ganz schön viele, sehr coole Frauen am Start mit ebenso tollen Ideen.

August

Anka und ich schaffen es endlich, nach Feierabend im Karobeach einzukehren und tauschen bei diversen alkoholischen Getränken unsere Datingstorys wie Pokémon-Sammelkarten aus. Nach diesem redseligen und lustigen Abend habe ich wieder Lust, einen Blick in das derzeitige Dating-Game zu werfen und wieder einzusteigen. Es ist Sommer. Ein wenig neuen Input und neue Leute unbeschwert kennenlernen kann doch nicht schaden. Diesmal beschränke ich mich jedoch auf Bumble und lege ohne große Erwartungshaltung los.

Knives Out im Fahrradkino auf dem Heiligengeistfeld

Ich bekomme eine Einladung ins Fahrradkino und zusammen mit Kim, der als +1 mitdarf, entscheide ich mich für Knives Out. Mit Fahrrad wird das nur leider nichts, da Kim sich rechtzeitig vor dem Abend verletzt und mit Krücken ins Kino auf dem Heiligengeistfeld humpelt. Was mir an diesem Abend besonders auffällt: wie gut Kino-Popcorn schmeckt. So hart vermisst in den letzten Monaten.

Die Matches trudeln ein und so habe ich recht zeitnah mein erstes Wein-Date an der Elbe. Die Unterhaltung ist ok, aber spätestens als er mir den (Spucke-) Rest aus seinem Weinglas ungefragt (und definitiv auch ungewollt) in meines kippt, fällt er durch. Bis heute frage ich mich übrigens, was das sollte und was man sich dabei denkt.

Das nächste Match verläuft erst erstaunlich gut, doch dann geraten wir während des Schreibens vermehrt in Missverständnisse. Das macht die Kommunikation anstrengend und vermiest mir ein wenig die Lust an einem ersten Treffen.
Wir bekommen jedoch noch einmal die Kurve und ich freue mich auf das Treffen. Wir Picknicken im Park mit gutem Wein und ein bisschen Baguette. Wir sind beide kindlich nervös, doch er macht aus vielem ein Geheimnis, was ich nervig finde. Außerdem fühle ich mich zwischenzeitig furchtbar unwohl, weil er Dinge zu mir sagt, die sagt man beim ersten Treffen nicht. Weitere Teile des Gespräches sind ebenso zweifelhaft. Meinungen und Ansichten, die absolut konträr zu meinen stehen, führen dazu, dass ich mich distanzierter verhalte, als er es sich wohl gewünscht hat.
Das Ende vom Lied ist, dass wir uns nach dem Treffen wieder in die Haare bekommen und er mir diverse Dinge vorwirft. Damit schafft er es in der Tat, dass ich mich frage, ob ich das Problem bin. Nachdem ich Freunden die Konversation zeige und um eine ehrliche Meinung bitte, stellt sich heraus, dass der Typ einfach komplett abdreht. Wir beenden somit unsere Kommunikation. Kontakt und Chat werden direkt gelöscht, der Typ tut mir definitiv nicht gut und ich habe gelernt, Dinge und Menschen, die mir nicht gut tun, schneller aus meinem Leben zu verbannen, als das bisher der Fall war. Toxische Menschen braucht nämlich niemand in seinem Leben.

Während mein Dating-Game nicht ganz so gut läuft, ist die Zeit mit Freunden jedes Mal besonders schön. Ich gehe mit einer schwangeren Freundin einen Nachmittag lang ins Schwimmbad, weil sie Karten ergattert hatte und mit der Longboard-Crew geht es zum Grillen an die Dove-Elbe. Beides waren sehr schöne Nachmittage und dann folgt auch schon der Kurzurlaub auf Rügen.

Danach habe ich Kraft und Laune, mich noch einmal in ein Date zu stürzen. Die Stimmung zwischen uns beiden ist direkt sehr locker, wir haben ein gutes, inspirierendes Gespräch. Er erzählt von seiner Zeit in Barcelona während des harten Lockdowns in Spanien und ich stelle wieder einmal fest, wie gut wir es mit den Regeln in Deutschland haben, da doch noch sehr viel möglich ist. Außerdem bin ich fasziniert davon, dass er sich danach einen Traum erfüllt hat und mit dem Fahrrad von Barcelona nach Hamburg gefahren ist. 21 Tage lang.
Wir verquatschen uns so doll, dass er fast seine letzte Bahn nach Hause verpasst. Wir rennen zur U-Bahnhaltestelle, verabschieden uns mit den Worten, dass wir uns nochmal treffen wollen. Wir schreiben danach noch kurz, doch dann kommt kein weiteres Lebenszeichen mehr von ihm.

Kim und ich schwingen uns an einem Samstagnachmittag auf die Räder und machen eine Radtour durch das komplette Hafengebiet. Einmal durch den Alten Elbtunnel und man kommt echt an schöne, ruhige Ecken in der Natur. Das war wieder schön und sollte im nächsten Sommer definitiv öfter statt finden.

Der Monat endet nochmal mit einem Date … bei dem mich der Typ versetzt. Er hat beim Angeln die Zeit vergessen und fragt dann, ob ich nochmal die Woche Zeit habe. Ich sage höflich ab, weil mir Zuverlässigkeit und Respekt wichtig ist und er blockiert mich daraufhin. War ihm vielleicht zu direkt.
Da ich nach dem ganzen Hick Hack allmählich den Glauben an Männer verliere, brauche ich ein Erlebnis mit einem halbwegs normalen und anständigen Kerl. Also melde ich mich bei einem Ex-Date, weil wir eh nochmal gemeinsam Wein trinken wollten und wir verabreden uns kurzerhand miteinander.

September

Ich habe mir mal wieder ein paar Tage freigenommen und fahre für einen Tagesausflug mit Yaska nach Stade. Wir haben schönes Wetter, essen lecker in einem Café in der Innenstadt und fotografieren viel. Erstaunlicherweise geht das mit Yaska richtig gut. Sie ist sehr geduldig mit mir. Beste Reisepartnerin.

Danach folgt ein Wein-Trinken mit Elbblick. Wir verstehen uns erstaunlich gut, so dass aus geplanten zwei Stunden sieben werden. Wären wir bei StrandPauli nicht rausgeschmissen worden, würden wir gegebenenfalls heute noch dort sitzen und uns miteinander unterhalten. War jedenfalls ein unerwartet schöner Abend, den ich wirklich dringend benötigt habe.

Ein wenig verschlafen geht es dann am nächsten Tag mit den Mitgliederinnen der Fotografie-Meetup-Gruppe in die Peter-Lindbergh-Ausstellung.

Die Longboard-Ladies und ich machen einen Tatort-Abend mit Federweißer, Tee, Zwiebelkuchen und Männergesprächen. Auch das war einfach nur sehr schön.

Nachdem mein Sofa nun einige Jahre auf dem Buckel hat und der Teppich im Wohnzimmer nicht in die Waschmaschine passt, leihe ich mir einen Teppichreiniger im Baumarkt und sterbe tausend Tode im Sharing-Auto auf dem Weg zurück und bei der Rückgabe wieder hin. Autofahren in der Großstadt ist definitiv eine Herausforderung, wenn man seit Jahren nicht mehr selbst gefahren ist. Die Reinigungsaktion ansich war nicht weniger strapaziös. Schon teilweise ekelhaft, was da für eine Dreckbrühe aus dem Stoff gezogen wird. Ich nehme mir vor, das zukünftig einmal pro Jahr zu machen.

Ich habe ein neues gutes Match, wir schreiben und telefonieren sogar, da er aus Bremen kommt. Wir planen, dass er mich in Hamburg besucht und ich ihm die Stadt zeige.
Außerdem habe ich ein spontanes Kaffeedate, der Typ stellt sich jedoch als höchst seltsam heraus und hat eigenartige Auffassungen. Es bleibt bei diesem einen Treffen.

Ich gehe das erste Mal Ramen-Essen und es folgt ein Elb-Spaziergang mit einer guten Unterhaltung.

Außerdem lädt mich meine beste Freundin zu einem Konzert des NDR-Orchesters in der Elbphilharmonie ein. Es war sehr schön, aber auch sehr sonderbar mit diesen vielen freien Plätzen.

Via Instagram erhalte ich eine Anfrage für ein Couple Shoot. Aus der Anfrage wird dann auch ein Auftrag, auf den ich mich sehr freue, aber wegen dem ich auch sehr aufgeregt bin.

Worauf ich mich auch freue ist die Fahrradtour ins Alte Land, die immer wieder verschoben wurde, aber in diesem Jahr endlich mal wieder stattfindet. Dass ich dabei verunfalle, das konnte ja keiner ahnen. Daraufhin verschiebe ich auch mein Bremen-Date, weil mein Gesicht lädiert, und meine Fortbewegungsfähigkeit zu eingeschränkt ist, als dass ich damit unter Menschen gehen möchte, geschweige denn, jemandem eine Stadttour bieten kann.

Schade. Kaputt.

Dafür bekomme ich Krankenbesuch, der Alsterwasser, Eis und Sushi bringt und es gibt einen Carbonara-Abend, der mit drei Flaschen Wein und einer verpassten letzten S-Bahn endet, aber sehr unterhaltsam, aufschlussreich und lustig war.

Nachdem ich über ein Jahr mit meiner Hausverwaltung herumhantierte, bekomme ich endlich einen neuen Herd. Eigentlich war ja nur eine Herdplatte kaputt, aber da kein Ersatzteil aufzutreiben war, wird kurzerhand alles ausgetauscht. Ich liebe diesen neuen Herd und den Backofen. Absolutes Upgrade.

Oktober

Ich hatte zugesagt, bei einer schriftlichen Abschlussarbeit zu helfen, ohne genau zu wissen, worauf ich mich da einlasse. Der Abend vor der Abgabe verläuft erst gut und ich denke, wir werden zeitig fertig. Habe jedoch falsch gedacht. Gegen 2 Uhr sind wir fertig und verlassen das Büro. Aber immerhin geschafft und mittlerweile wissen wir, dass die Aktion eine 2 gebracht hat.

Tags darauf bereite ich völlig übermüdet meinen ersten New York Cheesecake zu, gehe ein vorerst letztes Mal mit meinen Fotografie-Ladies fotografieren und tauche danach direkt in ein Quality-Time-Wochenende ab, an dem ich es mir furchtbar gut gehen lasse, das mich sehr, sehr glücklich macht und einiges ins Rollen bringt.

Meinen Geburtstag verbringe ich mit der besten Begleitung, die ich mir vorstellen kann. Wir trinken Kaffee vorm Lieblingscafé, gehen anschließend im Stadtpark ausgiebig spazieren und abends geht es in meinem Lieblingsrestaurant, dem ich viel zu lange keinen Besuch mehr abgestattet habe, lecker Essen. Dabei fällt mir auf, dass wir im Café aus Versehen die Zeche geprellt haben. Tags begleiche ich pflichtbewusst die Schulden und man bedankt sich mehrfach bei mir, dass ich nochmal vorbeigekommen bin.

Nach Jahren treffe ich auch endlich mal wieder Inken. Wir haben uns bei einem ausgiebigen Spaziergang durch Planten un Blomen sehr viel zu erzählen. Ich hoffe, dass wir es zu einem nächsten Treffen zeitiger schaffen und nicht wieder Jahre ins Land ziehen müssen.

November

Ich nehme mit Freunden bei einer Online-Weinprobe teil. Dafür wurden mir mehrere Flaschen Wein zugeschickt, die wir verkosten. Es gibt Käse (für den ich mir extra Käsemesser gekauft habe) und Antipasti und wir sind uns einig, dass wir uns ungefähr so unser erwachsenes Ich in den 90ern vorgestellt haben.

Sonnenuntergang und Abendspaziergang am kleinen Eutiner See

Später verbringe ich ein paar Tage in Eutin, um mein damaliges traumatisches Erlebnis in dieser Stadt zu bewältigen. Beinhaltet sind viele Spaziergänge mit Hund und Kaffee um den See. War alles besser, als gedacht.
Dabei entdecke ich übrigens Steam wieder und tauche kurz in die Rollercoaster-Tycoon-Welt von damals ab.

Außerdem kann ich für eine Freundin, die in den letzten Jahren immer für mich da war und sich viel Kram anhören musste, da sein und ein wenig von dem zurückgeben, was sie mir bereits gab.

Dezember

Es gibt zwar keine Weihnachtsmärkte, aber ein kleiner Spaziergang mit Crèpes und Glühwein durch die Stadt ist trotzdem drin.

Ich werde zu einem Patisserie-Workshop, der online stattfindet, eingeladen, bin dabei aber sehr gestresst, weil viel gemacht werden muss und der Koch sehr viel schneller arbeitet, als ich. Es war dennoch eine spaßige Erfahrung und wir haben alle wieder etwas dazugelernt (Orangen filetieren zum Beispiel ist mittlerweile ein fester Bestandteil geworden).

Außerdem setze ich endlich etwas um, an dem ich bereits sehr lange rummache.

Das nächste Couple Shoot steht an. Diesmal inklusive Babybauch. Ich bin wieder sehr nervös und gehe danach mit einem unsicheren Gefühl nach Hause, ob das wirklich was geworden ist. Beim Sichten der Bilder freue ich mich jedoch sehr, vor allem auch über die Reaktion des Paares. Ja Freunde, ich will mehr davon machen. Das ist einfach unbeschreiblich schön alles.

Auch die Weihnachtsfeier der Agentur, für die ich frei arbeite, findet in diesem Jahr online statt. Die dazugehörigen Care-Pakete kamen leider nicht bei allen rechtzeitig an (bei mir leider erst am Tag danach), ich versorge mich jedoch selbst mit Glühwein und klinke mich auch recht zeitig wieder aus. Ist halt doch anders, als vor Ort mit den Leuten zu sein. Jedoch besser als nichts.

Aufgrund von akzeptierten Cookies bekomme ich vor den Feiertagen Werbung für Sims 4 mit dem Hinweis ausgespielt, dass das Spiel doll rabattiert ist. Und guess what? Ich schlage selbstverständlich zu und kann es kaum erwarten, darin abzutauchen. Aber erst einmal muss Weihnachten gefeiert werden.
Das findet sehr entspannt, mit viel Gelächter und gutem Essen statt.

Es folgen ein paar absolut andere und aufregende Tage zwischen Weihnachten und Silvester. Ich bin schon lange nicht mehr um 19 Uhr komplett k.o. auf dem Sofa eingeschlafen.

Auch Silvester verbringe ich ruhig und traditionell mit Raclette. Und dann ist dieses wundersame Jahr auch schon vorbei.

Fazit

Ende Januar 2020 schrieb ich eine Rückblende für den Monat, die ich nie veröffentlichte. Der Eintrag beginnt mit:

Mein Gefühl sagt mir, das wird (m)ein gutes Jahr. Und ich finde, das ist ein gutes Gefühl.

Ich im Januar 2020

Oh girl … Ganz sicher hast du dir das zu diesem Zeitpunkt anders vorgestellt.

Ich hatte in dem vergangenen Jahr Phasen, in denen ging es mir wahnsinnig schlecht. Ich hatte Panikattacken, saß teilweise stundenlang weinend auf dem Boden meiner Küche und hatte keine Kraft, keine Hoffnung, keine Idee mehr davon, wie das alles weiter gehen soll. Ich war mental und emotional absolut überfordert und ich konnte nicht die Hilfe bekommen, die ich benötigte, weil Nähe nicht machbar war und ich vorsichtig mit meiner Gesundheit umgehen sollte und wollte. Es ist so paradox, dass sich um jemanden kümmern und ihm zu zeigen, dass er wichtig ist, aktuell bedeutet, auf Abstand zu bleiben.

Wenn es ein Gefühl gab, das in diesem Jahr für mich vorherrschend war, dann das der Einsamkeit und der Wunsch nach jemandem an meiner Seite, nach Wärme, Nähe und Gemeinsamkeiten.

Auch beruflich war es schwer. Ich machte mir keine großen Sorgen um meine finanzielle Sicherheit, das ging immer irgendwie klar, aber eigentlich stand ich kurz vor einer Unternehmensgründung, die nun weiter verschoben werden musste und sich mittlerweile auch vom Businessmodel her geändert hat und somit noch einmal teilweise neu geplant und kalkuliert werden muss.
Andere Projekte zogen sich, jede Menge lief schief, an vielen Tagen gab es Ärger und Fixes und es war so vieles so furchtbar nervig. Der Ausgleich fehlte. Die Erfolgserlebnisse. Und dadurch blieb die Motivation auch auf der Strecke.
Oft musste ich mich zum Aufstehen und zum Arbeiten zwingen und fieberte dem Feierabend entgegen. Das ist kein schöner Zustand.

Einer meiner wenigen Vorsätze 2019 war, keine Datingapps mehr zu benutzen, sondern mich mehr im Alltag umzusehen und offener auf Menschen zuzugehen. Teile davon kamen nun doch anders, jedoch bin ich innerhalb der App offener auf Menschen zugegangen und habe mich mehr in das Dating-Thema gestürzt. Vor allem im zweiten Anlauf ab August ging ich ohne Erwartung ran und siebte weniger doll aus. Rückblickend waren das zwar sehr erfolglose Treffen, aber es brachte mich doch weiter. Ich bin mehr für mich und meine Bedürfnisse eingestanden. Habe Grenzen gezogen und losgelassen, ohne mich zu verschließen oder frustriert und verzweifelt zu sein. Ich war deutlich gelassener und nahm jede Erfahrung mit Humor mit, lernte und zog das Positive daraus.

Amüsant finde ich auch den Fakt, dass ich in Summe drei Männer datete, die irgendwie was mit der Bundeswehr am Hut hatten. Ich scheine also ein Händchen dafür zu haben oder die waren in diesem Jahr einfach nur besonders aktiv.

Abschließend muss ich sagen, dass es unter den Bedingungen ein ziemlich gutes Jahr war. Es hatte abgrundtiefe Tiefen, aber eben auch seine Höhen. Mit dem Endergebnis bin ich zufrieden. Vor allem damit, dass ich das Jahr sehr viel für mich selbst genutzt habe. Zeit in mich investiert und reflektiert habe. Herausgefunden habe, was ich will und was ich nicht will und nun fokussierter darauf hin arbeiten kann, dass ich auch bekomme, was ich möchte. Indem ich so bin, wie ich bin und keine faulen Kompromisse mehr eingehe.
Ich bin meinen Freunden gegenüber offener geworden, weil ich mich auf die, die da sind, wirklich verlassen kann. Ich habe mir ein Umfeld geschaffen, in dem ich mich wohl fühle. Und ich habe gelernt, Menschen zu vertrauen, sie an mich heran zu lassen, obwohl ich Angst davor habe, verletzt zu werden. Aber ich habe verinnerlicht, dass ich das in Kauf nehmen muss, wenn ich das bekommen möchte, was ich mir wünsche: eine tiefe Verbundenheit.

Mit dieser Basis freue ich mich auf das vor mir liegende Jahr. Sicherlich wünsche ich mir sehnlichst, dass dieses unsägliche Virus gemeinsam mit den Idioten, Verschwörungstheoretikern, den Nazis und der AfD unverzüglich in der Versenkung verschwindet, gehe aber davon aus, dass uns das noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Und da ich das nur bedingt beeinflussen kann, mache ich das beste draus, auch wenn das heißt, dass ich gelegentlich bewusst vieles ausblenden muss und in einer Wohlfühlbubble verschwinde.
Ich habe Menschen um mich herum, die da sind, mir Kraft geben, für die ich aber auch da sein kann und denen ich Kraft geben kann. Es ist ein Geben und Nehmen und das fühlt sich sehr gut ausbalanciert an. Das Jahr und das zwangsläufige Herunterfahren von allem hat mir geholfen, Anlauf zu nehmen. Und jetzt bin ich sowas von da. Ich bin gespannt, was so alles passieren wird und nehme mir folgendes vor:

  • Weiter bei mir zu bleiben und mich nicht wieder auf dem Weg aus den Augen zu verlieren.
  • Weiter auf mein Bauchgefühl und mein Herz zu hören.
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Dieser Artikel hat 2 Kommentare

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  1. „Codenames“, nice! Und wie krass pünktlich dein Jahresrückblick online ging… 😉
    Auf dass 2021 besser wird – und man sich vielleicht auch mal wieder zu Gesicht bekommt irgendwann!

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