Auf meinen Jahresrückblick habe ich einige Fragen danach bekommen, welche Bücher ich im Juli und folgend zur Selbstreflexion gelesen hatte. Daher dachte ich mir, ich schreibe sie hier einfach auch nochmal zusammen.

Brené Brown – Verletzlichkeit macht stark

Angefangen hat alles bei einem Wein-Nachmittag mit einer Freundin. Wir unterhielten uns über unsere verschiedenen Erfahrungen in den letzten Monaten und aufgrund eines Satzes, den ich sagte, empfahl sie mir dieses Buch. Ausleihen konnte sie mir ihre Ausgabe nicht, weil sie es bereits mehrfach gelesen und viele Dinge markiert und kommentiert hatte. Es war ihr persönliches Arbeitsbuch. Also habe ich mir das Buch ein paar Tage später bestellt und auch für mich entwickelte es sich schnell zu einem Arbeitsbuch. Mein Exemplar hat jetzt auch an einigen Stellen den Textmarker gesehen und wurde mit Post-Its bestückt. Da ich es sicher noch einmal wieder lesen werde, werden weitere Markierungen folgen, da ich denke, dass man sich – je nach Lebenssituation – andere Stellen heraussucht, oder Dinge anders wahrnimmt und interpretiert.

Ich hörte auch auf, anonyme Kommentare zu lesen. Wenn die Verfasser nicht so wie die anderen in der Arena stehen, kämpfen und ab und zu einen blauen Fleck riskieren, bin ich an ihrem Feedback nicht länger interessiert.

Brené Brown – Verletzlichkeit macht stark

Dieses Buch kann ich wirklich J E D E M empfehlen, der offener werden möchte, der verstehen möchte, warum man verletzlich sein muss und wieso das gar nicht schlimm ist, sondern die Grundlage dafür ist, gute, aufrichtige und schöne zwischenmenschliche Beziehungen zu gestalten. Ganz gleich, ob freundschaftlich oder partnerschaftlich/romantisch.

Es handelt davon, welche Ansprüche die Gesellschaft an uns Frauen stellt (sexy, aber nicht zu sexy; intelligent, aber nicht zu intelligent; immer sagen, was man denkt, aber bitte niemanden damit aufregen; bitte nicht emotional sein, aber auch nicht distanziert), zeigt aber auch die Herausforderungen für Männer auf (Angst zu zeigen ist beschämend und nicht männlich; sei kein Versager; zeige keine Schwäche).

Wer jetzt noch nicht überzeugt ist oder einen weiteren Einblick haben möchte, dem lege ich den TED-Talk von Brené Brown nahe:

Vertrauen ist das Ergebnis von Verletzlichkeit. Es wächst mit der Zeit und setzt Arbeit, Aufmerksamkeit und vollen Einsatz voraus. Vertrauen ist keine Sache großer Gesten – vielmehr ist es eine „wachsende Kollektion von Murmeln“.

Brené Brown – Verletzlichkeit macht stark

Ich könnte noch viel mehr daraus zitieren. Es ist ein absolutes Lieblings- und Mut machendes Buch.

Zugegeben, die Gestaltung des Covers sprach mich nicht an. Der Titel auch nicht. Wäre es mir nicht empfohlen worden, ich hätte es wohl eher nicht gekauft. Umso glücklicher bin ich, dass ich es doch getan habe. Dieses Buch hat bei mir persönlich viel bewegt und tut es noch.

Bewertung: 5 von 5.

Ichiro Kishimi & Fumitake Koga – Du musst nicht von allen gemocht werden

Du musst nicht von allein gemocht werden ist die perfekte Ergänzung zu Verletzlichkeit macht stark. Auch dieses Buch dreht sich um den Umgang mit der Erwartungshaltung und den Ansprüchen anderer uns gegenüber, aber behandelt auch unsere eigenen Erwartungen und Ansprüche. Es soll dazu führen, dass wir entspannter und freier durchs Leben gehen, sorgsamer, achtsamer, liebevoller uns und unseren Mitmenschen begegnen. Es geht um bedingungsloses Vertrauen und um die Fokussierung auf die guten, positiven zwischenmenschlichen Aktionen und Erlebnisse, nicht die negativen. Darum, dass wir uns aus Angst vor negativen Erlebnissen viel positivem verschließen.

Es ist kein klassischer Roman oder ein Sachbuch, sondern es ist als Dialog zwischen einem jungen Mann und einem Philosophen geschrieben. Die beiden haben mehrere Sitzungen miteinander und in jeder dieser Sitzungen wird ein wichtiger Aspekt behandelt. Diese Aspekte wiederum bauen nach und nach aufeinander auf.

Das Schöne daran ist, dass der junge Mann durchaus oft etwas störrisch ist und die Aussagen immer wieder in Frage stellt, wodurch der Philosoph noch einmal neu erklären und andere Ansätze finden muss, um seinen Punkt zu beschreiben. Teilweise sicherlich etwas anstrengend, aber auch dieses Buch stärkt und macht Mut, zwischenmenschliche Beziehungen mal anders anzugehen. Mochte ich sehr.

Bewertung: 5 von 5.

Stefanie Stahl – Jeder ist beziehungsfähig

Von Stefanie Stahl habe ich bereits vor einigen Jahre Das Kind in dir muss Heimat finden gelesen und mochte die zahlreichen Beispiele darin sehr gerne. Viel Theorie, die durch gute Bilder gestützt und – zugegeben – vereinfacht wird.

In Jeder ist beziehungsfähig ist das ähnlich. Angereichert wird das Ganze mit einer Vielzahl an Übungen und Aufgaben, die dabei helfen sollen, sich selbst besser zu verstehen und zu lernen, andere Verhaltensweisen bei zwischenmenschlichen Konflikten zu kultivieren.

Das Buch gibt Unterstützung dabei und zeigt, wie wichtig es ist, Verantwortung für sich, die eigenen Gefühle und die Beziehung zu anderen Menschen zu übernehmen. Es ist mit viel Arbeit verbunden, wenn man wirklich alle Übungen macht. Aber es ist ein guter Ratgeber, der Denkanstöße vermittelt und mit den Aufgaben dabei hilft, das Beziehungsleben in die Hand zu nehmen und sich anhand eines roten Fadens weiterzuentwickeln. Es ist möglich, die Herausforderungen in den Griff zu bekommen – wenn man selbst bereit dazu ist.

Bewertung: 4 von 5.

Dr. John Izzo – Die fünf großen Glücksdiebe

Damit habe ich erst vor wenigen Tagen angefangen, es gehört für mich aber dennoch in diese Reihe und schließt sie in meiner Büchersammlung quasi ab.

Mit 178 Seiten ist es das am wenigsten umfangreichste Buch und zeigt auf, inwiefern uns Kontrolle, Hochmut, Begehren, Konsum und Bequemlichkeit bei unserem Glück im Wege stehen und wie wir diese am besten aus dem Haus jagen.

Sobald ich durch bin, werde ich hier meine Einschätzung nochmal ergänzen. Bis dahin sei es euch einfach so empfohlen.

Fazit

Mir haben diese Bücher sehr durch die Isolationsphase im vergangenen geholfen, in der ich auch weniger Arbeit hatte. Einerseits waren sie dazu da, mich abzulenken, andererseits halfen sie mir dabei, die Zeit sinnvoll zu nutzen, indem ich mich mit für mich wichtigen Themen auseinandersetzte. Mich mit mir auseinandersetzte. Es sind persönliche Themen, mit denen ich viele Jahre so meine Schwierigkeiten hatte. Loslassen. Gute Entscheidungen treffen. Gute, gesunde Beziehungen zu führen. Mir hat das Lesen und auch mein Drumherum sehr geholfen, manches zu reflektieren und in einem anderen Licht zu betrachten.

Schlussendlich hat das alles bei mir dazu beigetragen, dass ich mich wieder mehr öffnen kann, weil ich herausgefunden habe, was ich möchte und wie ich das erreichen kann. Das Ändern meines eigenen Verhaltens und Umgangs hat dazu geführt, dass ich neue Freunde kennengelernt habe, alte Freundschaften wieder neu aufgelebt und intensiviert wurden, dass ich ein viel offeneres, positiveres Umfeld habe, aber selbst auch offener und positiver bin.

Sicherlich passieren weiterhin unangenehme, unschöne Dinge. Es gibt weiterhin Konflikte und Herausforderungen und auch ich kann nicht so einfach aus meinen alten Mustern ausbrechen. Aber es findet Veränderung statt. Das merke ich fast jeden Tag und das merken auch andere. Das mag ich sehr.

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