Bachelor vs. Diplom

Vor einiger Zeit las ich diesen Artikel. Ein Rundumschlag zum Thema Bachelor vs. Diplom. Und dazu wollte ich dann auch noch etwas sagen.

Ein Bachelor der FH Jena weiß also genausoviel wie ein Diplomer, hat das gleiche durchgemacht und musste genauso hart arbeiten.

Dies ist aber an den wenigsten Hochschulen der Fall. So ist das Ansehen des Bachelors in Deutschland, vor allem durch die in der Regel zwei Semester kürzere Studienzeit, weit schlechter als das des Diploms. Leider

Dem kann ich mich nicht anschließen. Die Studienzeit ist vielleicht verkürzt, aber das hat mit dem Wissen meiner Meinung nach nicht unbedingt etwas zu tun. Ein Bachelor leistet für seinen Abschluss weitaus mehr unter viel mehr Druck als ein Diplomstudent.
Jeder Leistungsnachweis zählt. In jedem Modulteil sind Leistungsnachweise zu erbringen inkl. Anwesenheitspflicht.
Und ein Prof sagte vor kurzem selbst zu mir, dass unser Bachelor-Jahrgang im Bereich Weiterbildung größtenteils weit über dem Niveau von vielen Diplomern in diesem Bereich liegt.

Ein Aufbaustudium in Form des Masters ist fast unumgänglich, zumindest wenn der Einstieg ins Unternehmen “weiter oben” erfolgen soll.

Dem stimme ich wiederum zu. Und das macht auch Sinn. Allerdings kann und sollte man sich damit auch Zeit lassen. Das neue System hat ermöglicht, zwischendurch einfach auch mal Praxiserfahrung zu sammeln und sich später entscheiden zu können, wohin der Weg wirklich führen soll.
Und ich vertrete die Meinung, dass man ganz anders an ein Studium heran geht, wenn man entsprechende praktische Hintergründe kennt. Ein Masterstudium ist mit 4 Semestern schon sehr kurz. Aus diesen 4 Semestern zieht und gewinnt man mehr, wenn man kritisch herangehen und es mit der eigenen praktischen Realität verbinden und überprüfen kann.

Vor diesem Hintergrund un der Tatsache, dass ein “German Diplom” ein auch international hoch angesehenes und bekanntes Qualitätsmerkmal darstellt. ist die Anpassung des deutschen Systems umso unverständlicher.

Nicht in allen Studiengängen. Das deutsche Diplom hat in den Ingenieurswissenschaften ein großes internationales Ansehen. Sonst ist das Diplom meines Kenntnisstands nach relativ irrelevant.

Sicher, man wollte mit dem Bologna-Prozess einen einheitlichen eurpäischen Hochschulraum schaffen, die Zahl der Studienabbrecher verringern, die Studienzeiten verkürzen und damit natürlich auch die Kosten senken. Fakt ist jedoch, dass die wenigsten Ziele erreicht wurden und mit dem Diplom ein internationales Alleinstellungsmerkmal unnötigerweise abgeschafft wurde.

Ich sehe das nicht so, dass die Umstellung unnötig war. Sie ist bisher nur nicht so erfolgreich verlaufen, wie erwünscht.
Dazu kann ich einen guten Artikel zum Thema aus der F.A.Z. empfehlen: Wie weiter mit Bologna?
Dieser wurde von Herrn Georg Vobruba geschrieben, welcher Soziologie an der Universität Leipzig lehrt.

3 Kommentare

  1. rebhuhn 16. Juni 2009 um 00:32

    ich bin eigentlich eher ein bachelor-gegner [habe selbst diplomer UND bacheloranten in meiner übung sitzen gehabt und finde eindeutig, daß erstere selbständiger waren]; was aber nicht geht, ist, daß eine freundin von mir mit mathe-diplom in schottland keine arbeit findet, weil keiner das diplom kennen will… dann doch lieber ’schlechter‘, aber einheitlich!

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  2. zimtsternin 16. Juni 2009 um 08:57

    @rebhuhn: Verallgemeinern kann man da eh nicht. BA/MA sollten zwar zur Vereinheitlichung beitragen, wurden aber so wahnsinnig unterschiedlich umgesetzt, dass keine Vergleichbarkeit -zumindest momentan- besteht.
    Ich wollte aber nur mal darauf hinweisen, dass durchaus Sinn hat, das System umzustellen und dass es auch halbwegs positive Beispiele gibt und man nicht immer nur darauf herumhacken sollte.
    Es ist nun an der Zeit, das System zu verbessern und nur schlecht ist es eben meiner Meinung nach nicht.

    Bei der Selbstständigkeit der Aspiranten kann ich dir wohl zustimmen. Das seh ich hier bei uns auch so. Auch dass Diplomer auf einem anderen Niveau diskutieren können. Aber ich glaube nun nicht, dass das am angestrebten Abschluss festzumachen ist, als vielmehr an der Generation und der Mentalität.

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  3. rebhuhn 16. Juni 2009 um 09:54

    letzteres kann natürlich sein, es klingt für mich sogar logisch 😉 – das ist aber auch schon bei seneca etc. so gewesen [‚die jugend ist schlecht‘ usw pp] 😀

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