Nur durch Zufall sah ich direkt am Mittwoch die #Männerwelten auf Pro7 im linearen Fernsehen. Ja, es gibt noch Menschen, die sowas schauen.

Sexuelle Belästigung und Gewalt gehören zum Alltag jeder Frau. Wir wachsen damit auf und wir leben damit. Egal, welche Frau du fragst, jede kann dir mindestens eine Geschichte erzählen. Trotzdem tun alle überrascht, wenn so eine Zusammenfassung kommt. Hört den Frauen in eurem Umfeld mal zu, nehmt eure Umwelt bewusst wahr und schaut nicht weg. Nehmt war, wie eure Freunde und Freundinnen über andere Frauen sprechen, mit ihnen umgehen. Es passiert jeden Tag mehrfach.

Der Sportlehrer

Das erste Mal bewusst fand so eine Übergriffigkeit von einem Mann von meinem Sportlehrer statt. Ich weiß nicht mehr genau, in welcher Klasse wir waren, ich weiß nur, dass wir mit der Parallelklasse zusammen einen Sportlehrer hatten, mit dem wir uns nicht wohl fühlten.

Er kam fast immer nach der Stunde zu uns in den Umkleideraum. Stand mittendrin und sagte, dass jemand Wertsachen liegen ließ, wem diese gehörten. Ständig. Als ob es keine andere Möglichkeit gegeben hätte, uns darauf aufmerksam zu machen. Er musste dafür direkt in den Raum kommen, in dem sich gerade 20 Mädchen duschten und umzogen.

Wir gingen damit regelmäßig zu unseren anderen Lehrern, zur Schulleitung, aber nichts passierte.

Beim Bodenturnen hat er sich auch nie geziert, manchen Mädchen Hilfestellung zu leisten. Aus Versehen landete da natürlich beim Handstand auch mal eine Hand auf dem Hintern des Mädchens.

Als er einer Mitschülerin beim Bodenturnen dann irgendwann fest auf den Hintern schlug (man sah einen Handabdruck danach) gingen wir damit wieder einmal zur Schulleitung. Sein Verhalten hatte zumindest während meiner Zeit an dieser Schule keine offensichtlichen Konsequenzen nach sich gezogen.

Belästigung in der Fußgängerzone

Das passierte während meiner Studienzeit. Hochsommer. Ich war kurz in der Stadt und ein älterer Typ kam mir entgegen und meinte: „Na Süße, du hast ja gar nichts drunter.“

Ich ignorierte ihn, aber er machte weiter: „Du brauchst es wohl. Für wieviel kommst du denn mit? 10 Euro? Oder 20? Nee, du machst es doch bestimmt für 5 Euro.“

Ich rettete mich in ein Kaufhaus und atmete erst einmal tief durch. Suchte nach irgendwas und blickte dann von den Waren auf und ihm direkt in die Augen. Er war mir gefolgt. Das einzige, wozu ich in dem Moment fähig war, war ein empörtes „Sag mal.“. Hat ihn nicht gestört. Es ging weiter und er meinte, dass ich selbst schuld sei, so wie ich angezogen sei (knielanger, weiter Rock und ein normales Top). Erst als ich auf ihn zuging und ihn laut anschrie, dass er die Fresse halten und verschwinden solle, ging er. Ich wurde komisch angeschaut, aber war froh, dass er weg war.

Ich habe das damals hier festgehalten und auch Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Es waren nur Worte und dennoch fühlte ich mich noch tagelang sehr unsicher.

Als Begleitung beim Abiball

Ich war als Begleitung auf einem Abiball dabei. Es war der Abiball eines Freundes von meinem Date. Der Alkohol floß in rauen Mengen. Wir saßen alle irgendwann an einem Tisch. Ich habe noch keine 5 Worte mit dem Abiball-Typen gesprochen, da legte er mir seine Hand auf meinen Oberschenkel. Hielt er wohl für eine total gute Idee. Ich schob sie weg, sie war aber ganz schnell wieder da. Bis mein Date dazwischen ging.

Ungefragte Nachrichten auf Tinder/Instagram/Facebook

Ich kann keine Zahl nennen, wie oft ich bereits unmoralische Angebote (als Gesprächseröffnung) ungefragt bekam, zu irgendwelchen Treffen gedrängt werden sollte, Dickpics geschickt bekam oder mir Größen des entsprechenden Körperteils geschrieben wurden, woraufhin ich doch im Umkehrschluss mal meine Maße nennen und Bilder schicken solle.

Und wenn man dann nicht antwortet oder sogar noch freundlich verneint, kommt nahezu immer die Beleidigung, dass man eine Schlampe, Fotze oder eh superhässlich und prüde sei.

Solche Dinge kommen so oft vor, dass ich mich mittlerweile diesbezüglich abgestumpft fühle und vieles schon gar nicht mehr wahrnehme. Es ist ein Trauerspiel und Armutszeugnis.

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Dieser Artikel hat 3 Kommentare

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  1. Der letzte Satz fasst es gut zusammen. Ich hoffe, dass #maennerwelten nicht nur eine Aufmerksamkeits-Eintagsfliege ist, sondern sich ggf. gar als fester Hashtag etabliert, analog zu #metoo oder Ähnlichem. Natürlich war einem (zumindest mir) bewusst, wie grässlich einige Leute sind, die schiere Menge und vor allem Dreistigkeit vieler Einzelgeschichten, sind dann aber doch jedes Mal aufs Neue schockierend. Wie darf so etwas normaler Alltag sein?! Wieso sind da nicht nur viele auf einem Auge blind, sondern auch auf einem Ohr taub? Bei sowas, wie deiner Kaufhaus-Geschichte, fühle ich richtig mit, und vor allem viel Scham für diese beknackten Vertreter meines Geschlechtes. Man, man, man, was für unreflektierte Vollpfosten…

    1. Danke dir. Das ist ein guter Wunsch. Vielleicht muss man da einfach auch mehr Geschichten veröffentlichen und darüber sprechen. Auch Männer in ihrem Freundeskreis untereinander. Irgendwie stellt sich ja auch jeder Mann hin, dass er das nie tun würde. Doch irgendwo müssen diese Männer doch sein, die solch ein Verhalten an den Tag legen.

      1. Wir leben halt alle in unseren kleinen und großen Bubbles und oft hat man ja keine Ahnung, wir groß manch Menschenschlag in Wirklichkeit ist, siehe die aktuellen #Covidioten-Demos, AfD und Co. Glaube nicht mal, dass die so tun, als hätten sie es nie gemacht. Entweder, man bemerkt es nicht (unterbewusst ist meinem pubertierendem Ich vor 15 Jahren bestimmt auch politisch Unkorrektes rausgerutscht), oder sie sind einfach nicht in unseren Kreisen unterwegs (was ja an sich nicht das Schlechteste ist).

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