© misterdense
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„Wir haben gelernt, uns mit vielem abzufinden, das ist unromantisch genug. Der Verlust klebt an den Füßen wie Blasen, gegen die wir uns Einlegesohlen kaufen. Wir schmirgeln unsere Haut ab, damit sie glatt und weich wird, und kaufen Schuhe mit Fußbett und eine Nummer zu groß. Und es hilft. Es hilft am Ende ja doch und wir werfen uns das langsame Verblassen des Schmerzes vor, wir fühlen uns schuldig, weil zwar nicht der Tag kommt, an dem du sagst: Heute halte ich es aus. Aber es kommt der Tag, an dem du nicht als erstes an den Schmerz denkst. Und manch einer wirft es sich vor, wenn er sich wieder gut fühlt. Manch einer glaubt nicht mehr daran, glücklich zu werden, und wenn es dann doch passiert, kann es sein, dass er es mit Absicht übersieht. Und manch anderer wird es vielleicht nie los, auch wenn er dachte, er sei längst darüber hinweg. Dann fährt es ihm kalt zwischen die Rippen.“
(Elisabeth Rank: Und im Zweifel für dich selbst, S. 193)


5. Todestag.
Die Zeit verfliegt. Du bist noch immer nicht vergessen und wirst es nie sein. Die Angst von damals wird sich nicht bestätigen. Du bist noch immer ein Teil meines Lebens und wirst es immer sein.

Dieser Tag vor mittlerweile fünf Jahren hat mein Leben geprägt, wie kein anderer.
Und er hat mir gezeigt: Wie schwer der Schlag auch sein mag, das Leben geht weiter.
Er hat mich gelehrt, dass ein Mensch mehr aushalten und ertragen kann, als er selbst für möglich hält.
Er hat mich gelehrt, dass man Menschen unerwartet verlieren kann.
Du hast mich gelehrt, dass man einen Menschen, und sei er einem noch so vertraut, nie wirklich einschätzen kann.

Dein Entschluss kam plötzlich und ist bis heute für mich nicht nachvollziehbar. Auch heute frage ich oft nach dem Warum? Ich frage, ob ich hätte helfen können. Es sind diese Fragen, die zermürbend sind. Belastend. Aber sie werden mich mein Leben lang begleiten. Du und ich, wir haben das so entschieden.

Und auch heute schmerzt dieser Verlust. Nicht mehr so sehr, wie damals. Vielleicht auch einfach nur auf eine andere Art und Weise. Aber als du gingst, ging ein Teil von mir mit dir.

Auch heute noch würde ich alles geben, nur um mich wirklich richtig von dir verabschieden zu können. Um unausgesprochene Fragen und Gedanken loswerden zu können und Antworten und Reaktionen zu finden.
So weit wird es nicht kommen, das weiß ich.

Heute ist wieder ein Tag, an dem ich dir sagen will: Ich denke noch immer an dich.
Und so lange ich das tue, bist du bei mir.

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