Es ist der erste Montag im neuen Jahr. Wir sitzen zu dritt in Omas Apotheke, essen und trinken. Reden darüber, was wir derzeit so machen, wie es im Job läuft und wie es uns geht. Ich erzähle von meinem Scheitern und dass ich es nun etwas ruhiger angehen lasse. „Hmm. Das ist doch dann jetzt perfekt, um … naja … “ Nein, nein, nein, sag jetzt bitte nicht für Kinder! Bitte nicht! „… doch noch einmal zu Reisen. Ich meine, du hast gerade kein Projekt, also keine Verpflichtungen oder sonst was zu klären.“ „Ja, aber ich habe ja die Wohnung.“ „Na, die bekommst du doch wohl für die Zeit gut untervermietet.“ „Ja ok, aber so eine Reise kostet ja auch.“ „Ganz ehrlich, leben musst du hier auch, und je nachdem, wo du hingehst, ist es dort günstiger.“

Kurz darauf ging ich nach Hause und der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Je mehr ich darüber nachdachte, desto logischer wurde die Idee. Aber wie sollte das funktionieren? Ich war bisher nicht die Person, die alleine ins Kino geht oder sich gerne und oft alleine in Cafés setzt. Eine Reise alleine ist somit eine wirklich große Sache.
Allerdings wollte ich immer gerne jemand sein, der offen ist und sich alleine durchschlagen kann. Jemand, der den Mut hat, fremde Menschen anzusprechen und mit ihnen in Kontakt zu kommen.

Offen und positiv sind dabei die Stichworte. Ich habe mich in den vergangenen zwei Jahren ziemlich verändert, und das nicht unbedingt zu meinem Vorteil. Ich wurde immer negativer, lust- und motivationsloser, verlor den Glauben an mich selbst, zog eine Mauer um mich und ließ niemanden so wirklich in mein Leben, aus Angst, verletzt zu werden. Aber genau das nimmt Nähe und somit auch das Glück. Alleine sein ist in Ordnung. Einsam sein nicht. So landete ich im Verlauf des letzten Jahres in einer Sackgasse, aus der ich nicht ohne Hilfe herauskam. Auf einmal so perspektivlos zu sein macht einen nicht zu einem positiven und offenen Menschen. Aber ich spürte, was diese schwachsinnige Idee der Reise mit mir machte: Ich wachte allmählich wieder auf. Ich wurde ruhiger und wieder herzlicher, ein Lachen war wieder ein ernst gemeintes Lachen. Die Idee brachte echte und schöne Emotionen zum Vorschein. Dann kann sie doch gar nicht so schwachsinnig sein, oder? Ich deckte mich mit Magazinen, PDFs und Blogartikel über mein Wunschziel ein und stellte fest: Ja, das muss es sein. Das Land und kein anderes, wenn du das wirklich machen willst.

Eine Woche später fand ich eine gute und preiswerte Flugverbindung. Ich fragte, ob ich das wirklich machen solle und sagte immer wieder, dass dann alles fix sei und es kein Zurück mehr gebe. „Los, tu es! Das wird so toll für dich und es wird dir gut tun. Auch wenn ich selbstverständlich neidisch sein werde. Aber mach das. Zieh es durch.“ Und dann … klickte ich auf den Button. Vielen Dank für die Buchung.

Du kannst nichts über dich erfahren, ohne Risiken einzugehen.

Diese Vorfreude ist so heftig. Ich kann es noch gar nicht wirklich glauben, dass ich das machen werde. Zur Vorfreude und Aufregung gesellt sich aber auch Angst davor, wie und ob ich das alles meistern werde. Doch am Besten lernt man Dinge, wenn man gar nicht anders kann. Wenn es keinen Ausweg aus einer Situation gibt, außer über den eigenen Schatten zu springen. Ich habe schon vieles in meinem Leben geschafft. Aber so eine Reise, die ist was besonderes.

Ich weiß bereits jetzt, dass mich diese Reise ganz schnell an meine Grenzen bringen wird und ich gezwungen sein werde, diese Grenzen zu überwinden, um voranzukommen. Raus aus der Komfortzone und kleine Risiken eingehen, um mehr über mich zu erfahren, mich weiterzuentwickeln und dadurch wieder zu mir zu finden.

Ich war noch nie so lange weg von meinem Zuhause.
Ich bin noch nie so lange geflogen.
Ich war noch nie so lange alleine unterwegs.
Geschweige denn war ich jemals auf einem anderen Kontinent in einem solch fernen und anderen Land.
Und noch etwas kommt hinzu (als würde es nicht schon an Herausforderungen reichen): Die Limitierung auf das Nötigste. Ich habe nämlich vor, nur mit Handgepäck zu reisen. Oh my, das wird echt aufregend.

Einen genauen Plan gibt es noch nicht. Ich weiß, wann und wie ich fliege (auch wenn die Airline aktuell immer mal wieder die Flugzeiten aktualisiert). Der Rahmen ist also gesteckt. Was innerhalb dessen passiert ist noch komplett frei gestaltbar. Land und Leute möchte ich sehen. Entspannen und eintauchen in eine andere Lebenswelt und Kultur.

Auch wenn noch vieles unklar ist, eines ist sicher: Diese Reise werde ich nicht wieder vergessen, egal, was passiert. Für mich ist sie ein Start in etwas neues. Und sie wird einiges verändern.

Und während ich diese Zeilen schreibe, habe ich das Hostel für die erste Nacht in Bangkok gebucht. Mein Herz schlägt schneller. Ich habe Gänsehaut. So ist das wohl, wenn Träume wahr werden.

16 Kommentare

  1. Hanni 15. Januar 2016 um 19:54

    Oh wow! Herzlichen Glückwunsch. Kann man das so sagen? Egal! Ich freue mich für dich und wünsche dir viel Spaß! Manchmal ist so eine Reise verändert. Gerade, wenn man wie du, ein hartes Jahr hinter sich hat. Ich hätte dir wohl auch dazu geraten. Wann wenn nicht jetzt?
    Und.. Habe ich es überlesen.. oder… wann geht’s los?

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    1. Melanie 15. Januar 2016 um 20:01

      Absolut. Das war das ausschlaggebende Argument. Puuuh. Das ist echt aufregend für mich. Danke dir.

      Antworten
  2. Pablo 15. Januar 2016 um 20:07

    Oh sehr schön! Und ganz viel Spaß dabei!

    Antworten
  3. Jens 15. Januar 2016 um 23:45

    Beste Entscheidung. So etwas tut der Seele mehr als gut. Ganz viel Spaß und ich hoffe du hälst uns hier irgendwie auf dem laufenden von deinen Erlebnissen. :)

    Antworten
    1. Melanie 16. Januar 2016 um 00:03

      Dankeschön. Mal sehen, wie ich das anstelle. Eventuell erst im Nachgang.

      Antworten
  4. Farina 15. Januar 2016 um 23:49

    Ich bin auch im März weg!!! :) Eine Woche Sydney, dann 2 Monate Neuseeland und 2 Monate Kanada. Bisher hab‘ ich den Flug nach Sydney/Neuseeland + Kanada. Rückflug kommt noch.

    Ich freu‘ mich für uns!! :)

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    1. Melanie 16. Januar 2016 um 00:02

      Ach, das klingt super. Hab viel Spaß und pass auf dich auf.

      Antworten
  5. Yasi 16. Januar 2016 um 00:22

    Klingt sehr spannend und aufregend :) Viel Spaß und hey, danach bist du noch ein Stückchen weit ein anderer Mensch, selbstsicherer und weniger Ängste :) Ich glaube, mir würde es genauso gehen wie dir!

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    1. Melanie 29. Januar 2016 um 16:59

      Ja, so eine Reise, vor allem alleine, wird verändern. Ich bin sehr gespannt darauf, was alles passieren wird und was ich mitnehmen werde.

      Antworten
  6. Andreas Altenhoff 20. Januar 2016 um 10:38

    Wow, ein spannende Zeit hast Du da noch vor Dir.

    Spannend für Dich aber auch für uns Leser. Wäre natürlich für uns alle schön, wenn Du uns über Deine Aktivitäten zeitnah auf dem laufenden halten würdest. Das wäre für uns alle so, als wären wir live dabei. Ursprünglich ist ja auch ein Blog ein Online-Tagebuch.

    Aber viel wichtiger ist es natürlich, dass Du die Zeit genießt, dass Du Land und Leute kennen lernst, dass Du Dich selber wieder kennen lernst.

    Ziehe Dein Ding durch, habe Spaß ;-)

    Gruß, Andreas

    Antworten
    1. Melanie 29. Januar 2016 um 16:58

      Das wird superspannend, auf jeden Fall.
      Zeitnah berichten werde ich wohl eher auf Twitter, Instagram und eventuell Snapchat. Bloggen werde ich vor Ort voraussichtlich nicht, weil ich auch ein wenig digital detoxen werde, wie man neumodisch so schön sagt.
      Aber im Nachgang wird es auf jeden Fall viele Geschichten zu erzählen geben, die definitiv ihren Weg in dieses Blog finden werden. Daran besteht kein Zweifel.

      Danke, Andreas für deine lieben Worte.

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  7. Señor Rolando 29. Januar 2016 um 12:25

    Hach, super! Das wird toll. Vielleicht nicht immer in wirklich allen Momenten, während Du unterwegs bist. Aber insgesamt: super, da habe ich gar keine Zweifel.

    Genieße das!

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    1. Melanie 29. Januar 2016 um 16:56

      Höhen und Tiefen habe ich auch hier in meinem Alltag. Ich mache mir bewusst, dass ich vor einigen Herausforderungen stehen werde und mich sicher auch ärgern werde. Aber es ist ein Experiment, mehr über mich herauszufinden. Und ich freue mich superdoll auf die Erfahrung und die Geschichten, die ich danach erzählen werde.
      Danke dir!

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