Vor Jahrzehnten wurde ich eingeschult. Neunzehnhunderzweiundneunzig war das. Ich erinnere mich sogar noch daran. Lesen fand ich super. Daher lernte ich das auch sehr, sehr schnell. Und verschlang von da an Bücher. Dass ich jedoch einmal auf ein Gymnasium gehen und sogar mit einem Abitur abschließen sollte, daran dachte damals niemand. Doch es kam so. Der Weg war steinig und ich faul. Aber hey, ein 3,0-Abitur in Baden-Württemberg ist sowas, wie eine 1,0 in Hessen. *bash*

Gut, Abitur geschafft. Dass ich dann mal studieren werde, dachte damals auch niemand. Doch ein Jahr später war es soweit. Ich schrieb mich am 11. September 2006 an der Justus-Liebig-Universität Gießen ein. Nach einem Semester war ich frustriert. Nach zweien noch mehr. Aber ich berappelte mich. Brachte mein Studium in Regelstudienzeit fertig und sparte mir somit ca. 1000 Euro an Bafög-Rückzahlung. Weil so schnell und so. Der Abschluss? „Gut“ steht drauf. 2,1. Trotz Todkrankheit und der gesamten Rheumageschichte während der Abschlussarbeit. Ich war zufrieden. Lernen ist einfach nicht meins. Ich bin zu faul. In meinen Praktika glänzte ich jedoch. Theorie gemischt mit Praxis, das ist meine Welt. Da fühle ich mich wohl, das macht mir Spaß. Und ich bin verdammt gut, was diese Verknüpfungen angeht.

Mit diesem Abschluss in der Tasche und gepackten Koffern machte ich mich auf den Weg nach Karlsruhe. Und trampelte monatelang auf der Stelle. Ich kam nicht weiter. Sämtliche Zukunftspläne wurden von einem auf den anderen Tag zerstört. Und ich fühlte mich, als hätte ich nichts mehr. Gar nichts mehr.

Dann beschäftigte ich mich wieder mehr mit der Fotografie. Meine Kamera wurde wieder zu meiner besten Freundin. Und darüber lernte ich Menschen kennen. Und darüber wieder Menschen. Und landete irgendwann in einem Fotoverein. Ab da ging alles wieder bergauf.

Zukunftsplanungen hatte ich viele. Aber schlussendlich ist es nie zu dem gekommen, was geplant war. In alles bin ich irgendwie hineingerutscht. Das Leben hat mich oft genug gefickt. Aber das hat mir dazu verholfen, dass ich nun an einem Punkt stehe, an dem ich sage: Ja, ich bin bereit dafür. Ich kann sagen, dass ich ein Lebenskonzept gefunden habe, dass zu mir passt, mit dem ich mich identifiziere.

Fünfundzwanzig Jahre nach meiner Geburt, fünf Jahre nach meinem Abitur und ein Jahr nach meinem Studienabschluss schlage ich -wieder einmal- einen neuen Weg ein. Am 2. November 2010 werde ich ins Bürgerbüro marschieren, und mir für fünfundzwanzig Euro einen Gewerbeschein abholen. Ich gehe den Weg der Selbstständigkeit. Den Weg in die Unsicherheit. Aber auch den Weg in die Freiheit. Ich kann auf die Art und Weise kreativ sein, die ich verkauft bekomme. Ich werde es mit Leidenschaft tun. Und ich finde es -Verzeihung- geil. Und der Vollständigkeit halber: Dass ich mich mal selbstständig machen würde, hätte im Leben nie jemand gedacht.
Wiedemauchsei. Planung macht zwar vieles einfacher, hilft aber nichts. Denn es kommt doch eh immer wieder alles anders. Und das ist gut so. Alles andere wäre langweilig. Für mich zumindest.

Lasst die Korken knallen. Wir feiern bald ’ne große Party.

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Dieser Artikel hat 10 Kommentare

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  1. Und das ist auch gut so … sagte mal irgendwann, irgendjemand. 🙂 Ich finde deine Entscheidung mutig und gut. Meine Daumen sind so lange gedrückt, wie du sie brauchst. Ich wünsche dir schon jetzt viel Erfolg und einen guten Start.

  2. Danke euch allen.

    @Herrn von und zu Thang: Kann man wohl sagen. Zumindest mal Glückwunsch zu einer Entscheidung, die so gut anläuft. Hrhr. 🙂

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