Microsoft hat mich in diesem Jahr auf die NEXT eingeladen und ich habe dankend angenommen. Das Thema war spannend und interessiert mich derzeit sehr, so wie alles, das mit Arbeitswelt und -umfeld zu tun hat.
Es gab viele spannende Vorträge und Gespräche und ich habe sehr viel aufgesogen und mitgenommen, viel darüber nachgedacht, aufgeregt diskutiert, mich inspirieren lassen. Ich muss sagen, das war inhaltlich eine der besten Konferenzen, die ich bisher gesehen habe. Vorallem auch der Track How we will work?, zu dem ich geschickt wurde.

Du bist einer unserer Produktivitäts-Reporter auf der NEXT15. haben sie gesagt.
Beginne mit uns die Diskussion, was Produktivität heute sein kann, wie sie gemessen werden kann. haben sie gesagt.
Fasse dann deine Ergebnisse in einem Artikel zusammen. haben sie gesagt.

Und nun sitze ich hier vor dem berühmt berüchtigten weißen Blatt Papier. Soll über Produktivität schreiben und fühlte mich selten unproduktiver. Aber was soll’s, los geht’s!

Der Anfang einer neuen Diskussion

Lange wurde überlegt und diskutiert, was sich in unserer Arbeitswelt ändern muss. Produktiver muss es werden. Kreativer und kollaborativer. Und wir benötigen mehr Freiraum.

Work hard and be nice to people.

Aber wie soll das alles passieren? Wie muss sich Arbeit verändern, damit genau das alles statt finden kann? Wie muss sich die Produktivitätsdefinition ändern, damit Raum geschaffen werden kann für diese Faktoren? Alles muss maximiert und optimiert werden, aber wo bleibt denn die menschliche Komponente? Unter welchen Umständen funktionieren wir im Arbeitsumfeld? Unter welchen Umständen können wir zu Höchstleistungen angespornt werden und beste Ergebnisse erzielen? Und was heißt Produktivität eigentlich?

Rahmenbedingungen für Produktivität

Ich denke, es gibt Rahmenbedingungen, die gelten für alle Wissensarbeiter und es gibt Rahmenbedingungen, die sind höchst individuell. Der eine benötigt das, der andere legt Wert auf etwas vollkommen anderes. Das muss wohl jeder selbst für sich herausfinden und definieren.

Ich habe in den letzten Tagen und Wochen viel darüber nachgedacht, was mir wichtig ist und wodurch ich mich angespornt und produktiv fühle:

  1. Spaß
    In erster Linie muss ich Spaß an dem haben, was ich mache. Es muss einen Sinn für mich persönlich ergeben.
  2. Interdisziplinäre, eigenverantwortlich handelnde Teams
    Ich mag es im Team zu arbeiten. Wertschöpfung funktioniert für mich durch Kollaboration und durch ein Miteinander. Dabei zählt nicht die Leistung des Einzelnen, sondern wie man gemeinsam zum Ziel kommt und sich gegenseitig dabei hilft und unterstützt. Jeder Einzelne in einem Team hat seine Daseinsberechtigung, seine Aufgabe und trägt Verantwortung.
  3. Fokussierung
    Ein ständiges Rausreißen aus Aufgaben ist unproduktiv, Multitasking längst überholt. Zu den besten Ergebnisse komme ich, wenn ich mich eine Weile am Stück auf ein und dieselbe Sache konzentrieren kann. Daher schalte ich nicht selten mein iPhone stumm (auch die Vibration ist komplett aus) und schicke mein MacBook in den Nicht-Stören-Modus.
  4. Freiheit und Unabhängigkeit
    Für mich ist es wichtig, meine Arbeit ein Stück weit einteilen und über meine Zeit und Verfügbarkeit selbst bestimmen zu können.
  5. Motivation
    Bin ich motiviert bei der Sache, fällt mir vieles leichter. Aber woher kommt die? Tja. Ganz ehrlich? Wenn alle vorherigen Punkte zusammenkommen.

Sind nun viele dieser Punkte (wenn nicht sogar alle) gegeben, fühle ich mich produktiv. Doch was heißt das jetzt genau?

Produktivität damals

Produktivität klingt für mich nach Effizienz. Es ist ein kalter, nüchterner Begriff, der mich ehrlich gesagt zunächst abschreckt. Kohle machen ohne Gefühl, wie Thorsten Hübschen es auf der NEXT in seinem Vortrag auch umschrieb.
Vermutlich mag ich den Begriff aber auch nicht sonderlich, weil die Definition für viele heutige Arbeitsbereiche nicht mehr zeitgemäß ist.
Definition Produktivität
Produktivität ist das Ergebnis aus Output durch Input. Die Leistung von jemandem, der etwas erschafft, kann dadurch gemessen werden, wie viel man hinein geben muss, um das Ziel zu erreichen. Ein Bauarbeiter hat in einer bestimmten Zeit eine fertige Mauer gebaut. Ich gebe dem Bauarbeiter also Zeit und er liefert mir eine fertige Mauer. Das ergibt dann seine Produktivität. Je mehr Mauern pro Zeit, desto produktiver ist er also. Einwandfrei messbar.

Produktivität heute

Aber so funktioniert das heute für viele Bereiche nicht mehr.
Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Viele Vorgänge wurden durch die zunehmende Technologisierung automatisiert. Wir beschäftigten uns damit, alles effizienter zu gestalten, weniger Zeit in Vorgänge zu investieren und dadurch mehr Zeit für andere Arbeit zu Verfügung zu haben.
In den kommenden Jahren wird Wissensarbeit immer mehr zunehmen, daher muss auch die Arbeit mit Wissen effizienter und produktiver gestaltet werden.
Was mache ich denn nun als Projekt- oder Online Marketing Manager? Wie misst man denn meine Produktivität?
Sind es die Ideen pro Tag, die ich liefere? Ist es die Anzahl an Zeit, die ich getrackt habe und vorweisen kann?

Meine Aufgabe ist es, Probleme zu lösen. Die Lösung findet sich durch Nachdenken oder durch Machen und schlichtweg Ausprobieren. Das ist immer unterschiedlich. Der Weg zur Lösung kann schnell gehen, manchmal ist er jedoch auch ein längerer. Nur eines ist klar: Habe ich die Lösung erst einmal gefunden, geht alles ganz schnell. Hinterher ist man ja immer klüger. Ihr kennt das.
Arbeit ist zutiefst subjektiv. Es geht bei der Performance also nun nicht mehr nur darum, was und wie viel wir tun, sondern auch darum, wer wir sind. Doch wie bewertet man das jetzt, wenn die Performance nicht mehr anhand der Anzahl gemessen werden kann?

Produktivitätsformel

Ich denke, das ist alles nicht mehr so ganz leicht auf eine einfache Formel herunterzubrechen.

„Meistens fühle ich mich produktiv wenn ich viel geschafft habe.“

„Woher weißt du, dass du viel geschafft hast?“

„Wenn ich das Gefühl von Zufriedenheit verspüre und meine Arbeit sehen kann.
Ich glaube bei mir hängt es stark damit zusammen ob das, was ich machte, meinen Ansprüchen genügt.

Demnach hängt Produktivität auch viel vom eigenen Anspruch ab und ob man mit dem Ergebnis zufrieden ist, selbst wenn es quantitativ betrachtet viel ist, das man geschafft hat.

Die finale Produktivitätsformel konnte ich nicht herausfinden. Klar ist für mich jedoch, dass sie den Faktor Qualität berücksichtigen muss. Dafür braucht es qualitative Bewertungskriterien und Feedbackgespräche. Zielvereinbarungen werden dadurch immer wichtiger.
Wenn sich der Arbeitsmarkt und unser Denken dem nicht anpasst, wird immer mehr Frust entstehen und die Leistung und Produktivität nicht so sein, wie sie sein könnte.

Kreativität besteht nun mal aus Gedanken und Experimenten. Jeder Funke kann zu einem anderen führen. Deshalb glaube ich nicht, dass das Ergebnis zählt sondern – und das klingt jetzt altbacken – der Weg.
Und wenn ich den fokussiert gehe, komme ich auch zu einem guten Ergebnis (und kann mich durchaus produktiv fühlen).Sven Szota

 

3 Kommentare

  1. die Chrissy 10. Oktober 2015 um 19:38

    Sehr spannendes Thema und eines, das sich jetzt wirklich neu erfinden muss. Ich hasse es, wenn ich das Gefühl habe, unglaublich viel Zeit für etwas aufzuwenden, das viel schneller ginge, wenn ich einfach nur wüsste wie oder mit den Tools, die mir zur Verfügung stehen, besser umzugehen. Besonders in Excel bin ich ziemlich fit aber noch nicht soweit, dass ich auch Makros kann und gerade die können das Leben sehr vereinfachen. Die Next finde ich wirklich interessant. Danke für den Beitrag!

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    1. melly 15. Oktober 2015 um 17:24

      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ja, Effizienz, aber auch das Wohlfühlen der Mitarbeiter muss wichtiger werden.
      Gibt’s denn bei dir eine Möglichkeit, dass du eine Schulung machen und auch einfordern kannst?

      Antworten
  2. Pingback: Jahresrückblick 2015 – Über Freundschaft und Wertschätzung | zimtstern.in

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