Gestern Abend fand ich mich auf der x-ten Weihnachtsfeier ein. Diesmal als Blogger und nicht als Mitarbeiter. Auch mal wieder schön. Die Runde war gemischt, technisch versiert. Neue Gesichter, neue Geschichten, neues Kennenlernen. Dann kommt sie, die unweigerliche Frage, die immer irgendwann kommt: Wie lange wohnst du denn jetzt schon in Hamburg?
Und mittlerweile ist es so, dass ich kurz darüber nachdenken und nachrechnen muss. Ende Januar 2018 sind es in der Tat bereits 6 Jahre. So lang befand ich mich – abgesehen von meiner Kindheit und Jugend – noch nie an einem Ort. Zwei bis drei Jahre waren in Ordnung, doch dann wurde mir langweilig, ich hatte mich satt gesehen und fühlte mich einfach nicht mehr wohl. In Hamburg jedoch scheine ich angekommen zu sein.
Aber nicht genug, dass ich seit sechs Jahren in der gleichen Stadt wohne, nein, ich wohne auch seit Tag 1 in ein und derselben Wohnung. In dieser Wohnung startete ich als WG in einem kleinen Zimmer, bis meine Mitbewohnerin auszog und ich die ganze Wohnung übernahm. Und so ist es immer noch. Keinen Tag habe ich das bereut. Gute Lage, schöne Aufteilung, helle Wohnung, bezahlbar. Alles, worüber man sich hier beschweren würde, wäre Jammern auf hohem Niveau.

In den vergangenen Jahren kam immer mehr Kram dazu. Einzelne Möbel wurden ausgetauscht, neue Möbel angeschafft, und so weiter. Es haben sich immer mal wieder Kleinigkeiten verändert. Mit der Entscheidung, wieder Selbstständig zu sein, wurde aus dem dritten Zimmer ein ordentliches Arbeitszimmer und ein größerer Schreibtisch musste her. Das Sideboard im Wohnzimmer wurde ausgetauscht und verschönert. Doch das größte Makeover erfährt diese Wohnung aktuell.

Lange Zeit war ich auf der Suche nach einem neuen Sofa. Das alte war zwar in Ordnung, aber auch gebraucht und hatte einige Jahre auf dem Buckel. Zu zweit ging es gerade noch so, kam jedoch mehr Besuch, mussten Teile auf den Boden ausweichen oder ganz eigenartig sitzen. Es war schon noch sehr studentisch und ich wollte was neues, größeres, mehr skandinavisches haben, damit das alles wieder besser zusammenpasst. Aber findet mal was, wenn man gar nicht genau weiß, wonach man sucht. Lange Zeit hatte ich ein Sofa von bolia im Blick. Aber das hat ja auch wieder jeder. Sollte es dann also doch wieder ein IKEA-Modell werden? Hat zwar auch jeder, aber ist wesentlich günstiger. Ich wusste jedoch, dass ich mich nach einiger Zeit wieder aufgrund der Qualität ärgern werde. Außerdem gab es den Bezug, den ich unbedingt haben wollte, nicht mehr. Zur Auswahl stand dunkelgrau (gefiel mir nicht so wirklich hundertprozentig) und weiß (uiuiuiui, überleg‘ dir das mal gut!).

Also schnappte mich der Mann und schlug vor, einfach mal ein paar Möbelhäuser abzuklappern. Na gut.
Und mal unter uns: es gibt RICHTIG hässliche Möbelstücke. Da fragt man sich, wer sich sowas in die Wohnung stellt. Es war also viel Frust dabei.
Was mich auch beschäftigte: ich muss mich entscheiden. Will ich hauptsächlich sitzend Zeit auf dem Sofa verbringen, und benötige somit eine geringe Sitztiefe, damit ich die Chance habe, mit meinem Rücken die Rückenkissen zu erreichen? Oder will ich lieber wieder was zum Reinkuscheln und für die Gemütlichkeit? Da fängt es dann schon an. Ich will gerne beides. Aber nach einiger Zeit in den Möbelhäusern schien das wohl heutzutage nicht möglich zu sein, ohne das Erstgeborene verkaufen zu müssen. Schade. Doch dann kam er, mein Held vom Möbelhaus. Als hätte er geahnt, was ich suche, zeigte er mir das Modell meiner Träume. Gut zum Sitzen. Und wenn’s mal gemütlicher werden soll, kann man die Komfortbett-Option dazu bestellen, welche dafür sorgt, dass man die Sitzfläche mit einem beherzten Griff einfach vergrößer und somit auch Gästen gerne wieder ein spontanes Nachtlager bereitstellen kann.

Was soll ich noch groß sagen? Ich war sofort verliebt und konnte über nichts anderes mehr sprechen. Ich ließ mir also einen Ordner mit Stoffproben nach Hause schicken, machte alle Menschen in meinem Umfeld verrückt, weil ich mich nicht für eine Stofffarbe entscheiden konnte, entschied mich dann doch, ohne auf alle anderen zu hören … und musste 10 Wochen darauf warten. Habt ihr eine Ahnung, wie lange 10 Wochen sind? Auf einmal verstand ich das IKEA-Prinzip wieder. Hin. Bezahlen. Direkt mitnehmen. Direkte Suchtbefriedigung und Glücksgefühle. Hier erstmal nur Frustration. Bezahlt ja. Ware nein. Das ist nichts für mich.

Viele Wochen später wurde endlich die Lieferung angekündigt und dann stand sie da: mein neuer Traum in graublau! Alles sehr ungewohnt, auf einmal ein helles Sofa. Härter zum Sitzen. Größer. War das wirklich richtig? Ja, war es. Aber es brachte auch eine Menge ins Rollen. Denn irgendwie passte jetzt alles andere nicht mehr. Gestrichen wurde hier ja auch noch nie und alles sah auf einmal sehr ranzig aus. Also fuhren wir zum Baumarkt, kauften Farbe, Bretter, Schrauben, Dübel, Pinsel, Rollen, … ein und starteten das Großprojekt Streichen. Erst einmal beschränkt auf das Wohnzimmer, (SPOILER: Das Schlafzimmer kommt als nächstes!) denn da war genug zu tun.
Decke streichen: 🙄
Stuckleisten streichen: 🙄
Sagen wir einfach: Es war kein sehr erholsames Wochenende. Die Streicherei starteten wir am Sonntag. Natürlich wurden wir nicht mit allem komplett fertig, da wir beide selbstständig sind, konnten wir jedoch am Montag vormittag den notwendigen Rest erledigen.

Und jetzt nimmt dieses Zimmer allmählich immer mehr Form an. Das Regal, das ich für die Ecke links möchte, gibt es bis März nicht mehr, also schau ich grade täglich bei eBay Kleinanzeigen, ob es nicht jemand vorab los werden möchte. Daher ist es in der Ecke noch sehr leer und provisorisch.
Aber falls jemand ein schwarzes großes Regal Marke Vittsjö abzugeben hat: ich würde es nehmen.

Hinter dem Sofa haben wir vergangenen Sonntag ein Abstellbrett angebracht. Pflanzen. Getränke. Snacks. Oder eine Lampe. Alles findet dort seinen Platz. Altbauwände sind ein großer Spaß. Entweder man kann nur unter erheblichem Kraftaufwand bohren, oder es bohrt sich weich wie in warmer Butter. Immer für eine Überraschung gut. In den nächsten Tagen sollen noch zwei Regalbretter an der Wand neben der Türe folgen. Auch da bin ich sehr gespannt, was für Material sich in dieser Wand befinden wird und wie schwer oder einfach es wird, Regalstützen daran zu befestigen. Ob es überhaupt möglich sein wird, ohne dass das Haus einstürzt? Ich werde berichten.

Der einfachsten Teil der Aktion hatte ich mir für heute vorgenommen: Vorhänge austauschen. Auch noch sehr ungewohnt, ich meine aber, dass das jetzt besser so passt.

Jedenfalls mag ich unser Projekt und freue mich, dass wir den anstrengenden Teil vor den Feiertagen erledigt haben. Die Früchte dieser Arbeit werden wir dann die Tage entspannt genießen. Und uns überlegen, was wir als nächstes renovieren.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.