Warum ich das Internet dem realen Leben (manchmal) vorziehe

Es hat mich noch nie enttäuscht. Diese Aussage beruht auf jahrelanger Erfahrung.

Wenn man über Bekanntschaften im Netz spricht, heißt es immer gleich: Aber das ist doch nicht echt. Das ist doch alles unverbindlich und stimmt doch meist eh nicht.
Mag sein. Stimmt manchmal auch. Aber diese Personen haben mich im Netz nie enttäuscht. Ich behaupte sogar, dass sie meist ehrlicher sind, als reale, im echten Leben geschlossene „Freundschaften“.

Ich kann eine gute Freundin sein. Wenn ich es möchte. Für meine Freunde und Freundinnen war ich immer da. Ihnen ging’s schlecht, sie riefen an. zimtsternchen ist gesprungen. Schneesturm und 10cm Neuschnee? Kein Problem. Ich fahre langsam. Aber ich werde vorbeikommen.
Aquaplaning? Achja, pack ich auch.
Sonnenschein und ich würde lieber baden gehen? Hey, du bist meine Freundin, ich komm vorbei. Morgen ist sicher auch noch ein schöner Tag.
Das war ok, und ich würde es immer wieder so machen. Ich bin so. Das war niemals ein Problem. Für meine Freunde und Freundinnen.

Nur kommt da jedoch immer wieder der Tag, an dem es mir mal schlecht geht. An dem ich das Bedürfnis habe, mit jemandem reden zu wollen. Jemanden anrufen zu wollen. Jemanden zu haben, der da ist. Meine realen Freunde waren das oft nicht. Es gibt keine Ausrede, die ich noch nicht gehört habe. Ich komme damit klar. Ich kompensiere das über Leute im Netz. Denn die sind genauso nerdig und freakig wie ich. Denn sie sind da.

Ihr denkt also wirklich, das ist alles nicht echt und alles komplett unverbindlich? Mag sein. Nur haben mich diese nicht realen und komplett unverbindlichen Leute nicht so oft enttäuscht, wie ihr, meine lieben realen Freunde da draußen.

Wie ich darauf komme? Keine Sorge. Mir geht’s gut. Ich begehe aktuell nur mal wieder Vergangenheitsbewältigung. Die holt mich gerade wieder ein bisschen ein. Aber das ist ok.

Und hey: Ich mag euch Nerds da draußen. :*
This goes especially an Köln, Hamburg, Berlin und die sächselnde Gemeinschaft. Ihr wisst schon. Habt einen schönen Abend und lasst es krachen. Unverbindliche Grüße und so. Habt euch lieb.

11 Kommentare

  1. dennis 6. November 2010 um 19:16

    <3

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  2. Pingback: Tweets that mention Fräulein zimtsternin » Warum ich das Internet dem realen Leben (manchmal) vorziehe -- Topsy.com

  3. NunuBrot 6. November 2010 um 22:24

    wie wahr, wie wahr…
    kann ich voll und ganz so unterschreiben

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  4. Schneebold 6. November 2010 um 23:44

    Ich unterschreibe hier ebenfalls. Mit diesem Beitrag sprichst Du mir aus der Seele.

    Lg Martin

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  5. Marcus 7. November 2010 um 03:30

    <3

    Und ich muss sagen, ich finde toll was du gerade machst. Selbstständigkeit und so. Bewundernswert! Dieser Artikel ist schön und irgendwie steckt da auch ein wenig ganz schön viel Wiedererkennungswert drin. Hej und ich hab immer ein offenes Skype-Fenster für dich. 🙂

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  6. Sabbl 7. November 2010 um 19:39

    Danke für die Ehrlichkeit und Offenheit! Das ist einer der beeindruckensten Beiträge, die ich bisher gelesen habe!

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  7. R 7. November 2010 um 22:16

    was is mit #Ulm? ;P

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  8. Pablo 9. November 2010 um 21:54

    Ging mir sehr oft ähnlich. Kann das also auch nur unterschreiben!
    Aber wenigstens weiß man das es auch noch anderen genauso ergeht. 😉

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  9. zimtsternin 10. November 2010 um 11:23

    @alle: Schön, dass es anderen ähnlich geht. 🙂

    @R: Na, du eh, ne?

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  10. derhenry 13. November 2010 um 12:33

    Doofe Erfahrung. Hab ich auch schon gemacht. Selber sieht man Freundschaften wohl oft enger und wichtiger, als der jeweils andere.

    Andererseits habe ich lieber fünf richtige Freunde im Leben, als 500 auf Facebook. 🙂

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