S.

Selbstreflexion

Grundsätzlich bin ich eine Chaos-Queen. Wo man mich findet, ist das Chaos nicht fern. Das geht innerhalb weniger Minuten (fragen Sie den Mann!).

Aber während meines Studiums habe ich bemerkt, dass sich irgendwo ein nicht unwesentlicher Hang zum Perfektionismus in meinem kleinen Körper und Dasein befindet. Dummerweise zeigte dieser sich immer nur in den unmöglichsten Situationen. Während der Thesis und dem Hausarbeiten schreiben fiel das am Stärksten auf.

Ich kann da nicht einfach darauf losschreiben um nach und nach am Text zu arbeiten. Bevor ich loslegen kann, benötige ich eine nahezu perfekte Grundlage in meinem Kopf.
Das hat mir Schwierigkeiten bereitet und dazu geführt, dass in den letzten Tagen vor der Abgabe der Stress ausgebrochen ist.

Ich mache mir viel zu viele Gedanken anstatt einfach mal loszulegen. Ich muss vorher wissen, wie genau ich 40 Seiten zu füllen pflege anstatt einfach mal mit den ersten 10 zu beginnen.

Im Nachhinein kamen die Seiten gut zusammen. Die Arbeit am Thema hat mir Spaß gemacht, war interessant. Und wie immer sage ich mir: Hättest du mal lieber früher angefangen.

Aber diesmal ist es anders. Zum Ende meines BA-Studiums bin ich um die Erkenntnis reifer, warum ich nicht früher anfange.
Ich gebe zu, drei Jahre sind eine lange Zeit – aber lieber spät, als nie.
Und ein Studium sollte doch auch dafür gut sein, mehr über sich selbst zu erfahren.

P.

Point of no return

© olsc / pixelio
© olsc / pixelio

Er ist erreicht. Der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt.
Morgen werde ich meine letzte Prüfungsleistung abgeben. Am Montag folgt der Exmatrikulationsantrag.

Sämtliche Verträge sind gekündigt. Der Sprinter gemietet. Die Wohnung organisiert. Und ein Licht am Horizont in Gestalt meines Ex-Chefs ist auch unverhofft aufgetaucht.

3 Jahre. Drei lange Jahre die auf einmal erscheinen, als seien sie wie im Fluge vergangen. Unwirklich. Ein weiterer wichtiger Lebensabschnitt neigt sich dem Ende zu. Aber der nächste Lebensabschnitt folgt auf dem Fuße.

Zum ersten Mal in unserer Paarbeziehung wohnen der Liebste und ich in einer Stadt (wenn auch noch in verschiedenen Stadtteilen, so gehören wir doch zum gleichen JobCenter *haha*).
Zum ersten Mal kein nerviges: Wann sehen wir uns wieder? Sind wir am Wochenende in Gießen oder in Karlsruhe?
Zum ersten Mal: Hey, ich hab Feierabend. Wollen wir ins Kino? Essen gehen? Rumgammeln? Soll ich noch kurz vorbeikommen?

So sehr ich der Zeit in Gießen nachtrauern, meine Freunde hier vermissen werde, so sehr mir der Abschied doch auch wirklich schwer fällt, so sehr freue ich mich auf die neue Leichtigkeit. Mein neues Leben. Eine neue Erfahrung.
Mein Herz klopft vor Trauer und verfrühtem Heimweh nach Gießen aber auch vor lauter Vorfreude auf und auch Angst vor Karlsruhe.
Ein lachendes und ein weinendes Auge begleiten mich zur Zeit. Sehr viel Unsicherheit und ob-das-alles-richtig-so-ist-Fragen.

Meine ersten Schritte im Leben erwerbstätiger Personen. Gut, ich gebe zu, sie sind noch recht wacklig und hilfebedürftig, aber hey, das wird. Ich weiß das. Und ihr seid live dabei.
Und wenn’s etwas länger dauert, weiß ich, ich hab da draußen Freunde. Und das wichtigste: Ich hab den wichtigsten Menschen in meiner Nähe. Das ist Welt.

B.

Bachelorette of Arts

Das Fräulein zimtsternin ist dann wohl mal offiziell eine Bachelorette.
Note weiß ich zwar immer noch nicht genau. Aber bestanden mit gut.
Zum Ende hin flacht es ab und reicht dadurch nicht für eine 1. Sagt mir mein Betreuer. Er hätte das Gefühl, dies wäre auf ein Zeitproblem zurückzuführen. Wie Recht er doch hat.

Kinder, ich sag euch: Was fällt mir ein Stein vom Herzen.
Nachdem die letzte Woche nur Mist war ist diese Woche, abgesehen von meiner swine flu Erkältung, bisher ganz gut. Warten wir ab, was noch so kommt.

Heute schau ich mir also eine WG an und schneie mal beim Arbeitsamt vorbei. So zumindest der Plan.

W.

Waiting Line

Thesis

Der Tag der Abgabe. Fotot nach der Abgabe. Mit meinem Exemplar.
Vier Wochen ist es nun mittlerweile her.
Noch einmal schlafen und ich erfahre mein Ergebnis.
Mein Herz hat Aussetzer und überschlägt sich gelegentlich beim Denken daran. Angst und Vorfreude und Entspannung wechseln sich ab. Angst überwiegt.
Ich bin gespannt.
Nightmare und so.

N.

Nix mit Feierei

Unsere Bachelorabsolventenfeier kippt wohl gerade. Niemand will sich engagieren, alle sind nur am rumdiskutieren und ich kann nicht alles machen. Allmählich habe ich aber auch keine wirkliche Lust mehr, die Leute zu mobilisieren. Die einen sind im Urlaub, die anderen haben keine Zeit und die nächsten studieren sonstwo weiter.
Im Prinzip halten wir uns seit Wochen nur daran auf, wie das mit der Finanzierung läuft. Sprich eigentlich geht es nur ums Geld einsammeln und Sekt, Orangensaft und eine Kleinigkeit zum Essen einzukaufen. Aber das will keiner übernehmen. Alle machen nur Vorschläge, wie es funktionieren könnte. So kommt man jedoch nicht wirklich weiter.

Ich bin gespannt, wie das in drei Wochen aussieht. Ob noch eine Feier zustande kommt oder nicht. Wetten werden noch angenommen.

M.

Meine Umzugskartons & Ich

Als ob Umzugskartons packen alleine nicht schon schwer genug wäre, kommt die Order hinzu: „Pack alles ein, was du in nächster Zeit auf keinen Fall brauchst.“
Schwierig, wenn man noch nicht wirklich weiß, ob man in 3 Wochen eine Wohnung oder eine WG in Berlin oder Frankfurt oder sonstwo bezieht, in der man jeden möglichen Kram schnell benötigt, oder doch nur vorübergehend beim Liebsten haust und keinerlei Platz für eigenen Kram hat.

Ich packe mein Leben also zum dritten Mal in drei Jahren in Umzugskistens. Welch‘ Freude.
Aber die ein oder andere Erinnerung kommt dann auch wieder hervor.
Statistikbücher werden als erstes weggepackt. Mein gerocktes Modul. Nachdem ich das qualitative Forschungsmodul absolut verzockt habe, habe ich wenigstens in den quantitativen Methoden den absoluten Überblick. Und das, obwohl ich immer dachte, Mathe sei so gar nichts für mich. Aber nach semesterlangem Blabla und nichts wirklich Greifbarem tat systematisches und strukturiertes Vorgehen und Formeln anwenden echt gut. Endlich mal Fakten lernen.

B.

BAföG-Rückzahlung

Ich habe den Fehler gemacht, mein in Anspruch genommenes BAföG-Geld zu berechnen. Dank ordentlich abgehefteter Bescheide und Unterlagen war dies problemlos möglich. Jetzt bin ich richtig wach.
In den drei Jahren kam ein ordentliches Sümmchen zustande. Ich frage mich nur: Wohin ist das ganze Geld?
Wenn ich dem Betrag von fast 15.000 Euro aber den Betrag der Miete gegenüberstelle, habe ich eine leise Ahnung davon, was wohl passiert sein könnte. Irgendwie abartig. So viel Geld für nichts und wieder nichts. Gut. Ein Dach über dem Kopf. Warmes Wasser. Strom.

Jedenfalls berechnete ich mit dem StudisOnline Rückzahlungsrechner den Betrag, den ich wieder zurückzahlen muss.
Und siehe da: Dadurch, dass ich in der Regelstudienzeit fertig werde, bekomme ich knapp 1.000 Euro erlassen. Wenn das mal nichts ist. Und dadurch, dass ich schon einen großen Anteil bezahlt habe, verringert sich das Ganze nochmal ein wenig. Summasummarum bin ich mit dem Mindestanteil den man bezahlen muss bin ich spätestens zwei Jahre nach Rückzahlungsbeginn schuldenfrei.