E.

Erinnerungen

Es ist spät. Oder früh.
Es ist Sommer.
Mein Schlafzimmerfenster ist weit geöffnet. Die kalte, frische Nachtluft bahnt sich ihren Weg zu mir.
Mein Blick fällt auf den Bilderrahmen auf dem Schreibtisch. Und der Geruch der Sommernacht erinnert mich an längst vergangene Zeiten. Die Erinnerung an Nächte, die vier Jahren zurückliegen, fühlt sich auf einmal so an, als wäre es erst gestern gewesen.
Ich liebe diese Nächte.

A.

Anzeige, Teil 2

Es tut sich was.
Gestern bekam ich einen Anruf von der Polizei Gießen. Erst hatte ich Angst, was nun schon wieder passiert sei. Aber ich wurde nur gefragt, ob ich heute Zeit hätte, auf das Revier zu kommen und mir die Datenbank mit Fotos von eventuellen „Tätern“ die in Frage kämen, anzusehen.
Ich verneinte, da ich derzeit nicht in Gießen sei. Somit wurde mir gesagt, dass sich nächste Woche ein Kollege mit mir in Verbindung setzen wird, mit dem ich die Datenbank durchgehen soll.

Ich hatte es schon fast vollständig vergessen. Aber ich wurde vorgewarnt, bevor ich die Anzeige stellte. Also geh ich nächste Woche mal vorbei und schau mir Bilder an.

B.

Berlin – Eine Liebesgeschichte

Zum ersten Mal erblickte ich Berlin im Jahr 2004. Klassenausflug vom 28. Juni bis zum 03. Juli. Schon damals kam ich verzaubert zurück. Schon damals war ich absolut verliebt in diese Stadt. Schon damals ging es wochenlang nur „Berlin hier, Berlin da“. Und schon verkündete ich laut: „Wenn ich mal groß bin, zieh ich nach Berlin!“

Und auch jetzt, 5 Jahre später, ist der Wunsch danach wieder größer, als je zuvor. Aber nicht ohne das typische auf und ab in einer Liebesgeschichte. In 5 Jahren passiert einiges. So haben wir uns nach einiger Zeit ziemlich voneinander entfernt. Konnte ich mir 2004 und auch 2005 noch sehr gut vorstellen, mein Dasein in Berlin zu fristen, veränderte sich das immer mehr. Großstadt? Ich? Neeee! Lieber was kleineres, dörflicheres, gemütlicheres. Berlin ist doch nichts auf Dauer. Nää!

Dennoch wusste ich, dass es eine tolle Stadt ist. Nur dort leben, das konnte ich mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen. Aber da ich Berlin endlich mal wieder sehen wollte, machte ich mich im Mai auf den Weg dorthin. Gesehen habe ich aufgrund einer akuten Augenentzündung leider recht wenig, aber einmal in der Friedrichstraße zum Augenarzt, Bummel über den Hackeschen Markt plus Alexanderplatz plus Rückweg durch Mitte und ein Sonntag im Rudolph-Wilde-Park/Volkspark Schöneberg taten ihr übriges. Abends saß ich im Zug nach Hause und fühlte mich wieder frisch verliebt.

Zum Abschied sagte ich noch, dass ich eigentlich davon ausging, Berlin sei für mich durch und es nun echt fies sei, mir diese schönen Dinge von Neuem zu zeigen. Dadurch bekomme ich doch nur wieder Lust auf mehr. Und ja, schon da machte sich allmählich der Gedanke breit, für ein paar Jahre nun doch nach Berlin zu gehen.
Ich schwelgte voller Herzchen in den Augen von der Stadt. Vom Leben. Von den Leuten. Und plante den nächsten Trip.

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Dieser ist nun auch beendet. Die Zelte (vorerst) abgebrochen. Und ich bin einem Wendepunkt in meinem Leben noch ein Stückchen näher. Der September beendet mein Studium. Die Wohnung in Gießen ist gekündigt. Somit wäre ich „frei“.
Und ja, wenn die Möglichkeit besteht, und da bin ich mir jetzt und heute ganz sicher, sage ich „Ja“ zu Berlin. Ich möchte mein Leben mit der Stadt teilen. Jetzt muss sie nur auch noch wollen.

Job. Wohnung.
Bezüglich Wohnung mache ich mir weniger Gedanken. Meine Sorge gilt eher dem Job.
Ich weiß nicht, ob ich den Mut aufbringe, ohne Sicherheiten den Weg zurückzulegen. Und mir an Ort und Stelle etwas für den Übergang zu suchen, falls es mit der Festanstellung im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung nicht klappt.

Aber ich bin noch jung. Habe keinerlei Verpflichtungen (außer mir selbst und ab Oktober sämtlichen Versicherungen gegenüber). Und ist es eine große Liebe, ein Lebenstraum, nicht wert, dieses Risiko auf sich zu nehmen?

I.

Ich will nicht!

In 24 Stunden sitze ich wieder im Zug. Im Zug weg von Berlin. Im Zug Richtung Mittel- und Süddeutschland.
Ich will nicht weg aus Berlin. Ich habe jetzt schon Heimweh, wenn ich nur daran denke.
Ich will hierbleiben. Macht was. Bittebittebitte!!!

H.

Happy Birthday!

Birthdaycake

Meine Bloggerkarriere begann zwar schon vor 6 Jahren und auf anderem Wege, aber heute stehst du im Zentrum der Aufmerksamkeit.
Denn heute wirst du, mein liebes Blog, auf den Tag genau 4 Jahre alt.
Somit bist du das WordPressblog, das am längsten überlebte. Ich hatte nämlich schon viele, viele vor dir. Aber nach einiger Zeit des Nichtmehrschreibens habe ich sie alle wieder gekillt.
Auch wir hatten gute und weniger gute Zeiten. Mittlerweile habe ich dich jedoch schon so sehr ins Herz geschlossen, dass ich dich vor geraumer Zeit wieder belebt habe. Du kannst dich glücklich schätzen!
Somit können wir heute deinen Geburtstag gemeinsam feiern und es uns so richtig schön gut gehen lassen!

Auf die nächsten heiteren und weniger heiteren Jahre mit einer noch ungewissen Zukunft! Doch eins ist sicher: Du wirst mich weiterhin begleiten. Und ich hoffe, viele alte und neue Leser auch. Ich freu mich darauf, die Welt und unsere Zukunft mit euch zu entdecken.

Und jetzt: Feiert mit uns! Prost!

B.

Bewerberstatus TU Berlin

Seit Wochen steht in dieser tollen Übersicht bei Stand der Bewerbung: „Post-Eingang“. Allmählich glaube ich, die Bewerbung kam doch nicht mehr rechtzeitig an und der nächste Status lautet: „Ablage P“ oder „Post-Ausgang“.
Somit verharre ich also weiter in erwartungsvoller Vorfreude.

E.

Erinnerungen

Ich stöbere gerade zufällig in alten Einträgen. Von meinem Praktikum vergangenen Sommer. Der Abschiedstag. Und ich habe schon wieder Tränen in den Augen. Furchtbar, dass man als Frau oft so emotional sein muss. Aber ein Lächeln, ja, das ist auch dabei.

„Ihnen Frau Joos eine schöne Zeit, viel Erfolg und bis in einem Jahr!“

Ja, das Jahr ist demnächst vorüber. Ob wir uns wohl wiedersehen werden?

P.

Polizeipresse

Da hätten wir es dann also.

Unbekannter belästigte 23-Jährige

Gießen: Am Freitag, dem 26.06.09, gg. 16.20 Uhr, beleidigte ein Unbekannter eine 23-Jährige Studentin aus Gießen sexuell in der Kaplansgasse. In ähnlicher Weise sprach er die Geschädigte gegen 16.30 Uhr in einem Kaufhaus an. Er war ca. 40 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 m groß, hatte etwas dickliche Figur, trug eine Brille und war bekleidet mit einem rosa / pinkfarbenen Fischerhut und einem rötlichen Hemd. Er führte einen Rucksack mit sich und hatte leicht gebräunte Haut. Hinweise erbittet die Kripo Gießen unter Tel. Nr.: 0641 / 7006 – 2555.

Quelle: Polizeipräsidium Mittelhessen Gießen

A.

Anzeige

Strafanzeige habe ich heute gestellt. 2 Stunden bei der Polizei inkl. Zusammenbruch. Das nimmt mich mehr mit, als erwartet. Und die ersten Reaktionen der Polizisten waren einfach nur anstrengend. Bei der Vernehmung bin ich dann ausgerastet und wurde mit Worten beruhigt, die für mich alles nur noch schlimmer machten. Vernehmung wurde daraufhin unterbrochen und es folgte ein langes, beruhigendes Gespräch. Ich soll es ‚rauslassen. Weinen. Mit Leuten darüber reden. Und eventuell auch eine psychologische Beratungsstelle aufsuchen. Yeah, alles, was mir jetzt noch gefehlt hat.

Ja, mir geht es schlechter als gestern. Und ich kann nachvollziehen, dass Frauen ungern in solchen Dingen zur Polizei gehen, vor allem, wenn es auch noch gegen Unbekannt geht. Ich hatte das Gefühl, ich wurde belächelt. Aber vielleicht war es auch einfach nur Mitleid. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Diese Anzeige war eine Genugtuung. Und ich bin froh, es gemacht zu haben und wünsche mir, dass dies noch mehr Frauen und/oder Männer tun, die solche oder ähnliche Erfahrungen machen mussten.

Eine Pressemitteilung wird rausgehen. Wird man also die Tage hier in der Zeitung lesen. Und ich hoffe, dieses Arschloch liest das, oder andere, die sowas mehr oder weniger regelmäßig tun und sehen, dass es Menschen gibt, die sich solche verbalen Übergriffe und Beleidigungen nicht einfach gefallen lassen.

Seitdem ich wieder zurück bin, ist meine Welt noch mehr durcheinander, als vorher. Demnach nun auf der Suche nach „Hilfe“ gewesen. Dabei habe ich ein pdf gefunden, das vielleicht ganz hilfreich für die Vorbereitung und Nachbereitung sein kann. Sowohl für Betroffene als auch Bekannte/Freunde von Betroffenen.
Bis auf das Layout find ich’s ganz gut soweit. Vielleicht hilft es jemandem. Wurde herausgegeben von der Frauenberatungsstelle Osnabrück: Link zum .pdf

U.

Unglaublich

Ich hätte nie gedacht, dass mir das passiert. Und vor allem hätte ich nie gedacht, dass mich sowas so aus der Bahn werfen kann, aber es beschäftigt mich ungemein. Und ich will es nicht unerwähnt lassen, das hat er nicht verdient. Obwohl er diese Aufmerksamkeit vielleicht auch nicht verdient hat. Wasweißich. Aber erstmal zurück zum Anfang.

Ich musste heute noch zur Post und was in der Stadt erledigen. Es war heute sehr heiß und die Luftfeuchtigkeit war gnadenlos, daher entsprechend gekleidet mit Rock und Top. Ich lief dann nach der Post vom Seltersweg kommend über die Kaplansgasse zu Galeria Kaufhof, als ich plötzlich eine männliche Stimme hinter mir hörte: „Na Süße, du hast ja gar nichts drunter.“ Ich dachte mir, dass sei wieder irgendein halbstarker Idiot mit einem dummen Anmachspruch, aber er ging über meine linke Seite an mir vorbei und redete weiter: „Du brauchst es wohl. Für wieviel kommst du denn mit? 10 Euro? Oder 20? Nee, du machst es doch bestimmt für 5 Euro.“ Ich war so wahnsinnig perplex, dass mir die Worte im Halse stecken blieben, bzw. ich überhaupt gar keine fand und einfach nur wollte, dass dieser Mann aufhört. Lediglich zu einem Kopfschütteln war ich fähig und war froh, als ich den Eingang zu Kaufhof nehmen konnte und der Kerl verschwand.

Total zittrig und mit Tränen in den Augen lief ich zu den Schreibwaren. Ich war vollkommen durcheinander und verstand die Welt nicht mehr. Bei den Schreibwaren suchte ich nach etwas, wusste aber nicht, nach was. Stand dann irgendwann bei den Trennstreifen, sah auf und sah ihm direkt in die Augen. Dieser verfluchte Kerl verfolgte mich und das Erste, zu dem ich im Stande war, war ein: „Sag mal!“ worauf er erwiderte: „Ja, wieso sagste denn nix?“ Er schlich um die Regale, und ich merkte instinktiv, dass er mich wieder von hinten ansehen wollte. Panik stieg in mir auf und ich fühlte mich absolut alleine. Als er mir wieder näher kam, äußerte er Dinge wie: „Na, musst dich doch nicht wundern, so wie du angezogen bist. Zieh dich doch mal richtig an!“ und da fand ich endlich meine Stimme wieder. Ich bin auf ihn zu und sagte laut zu ihm „Halt die Fresse und verschwinde!“ Die Leute, die um die Ecke kamen, sahen mich leicht verstört an, aber er ging endlich.

Der Kerl war vorerst weg, aber die Angst blieb. Ich bezahlte Trennstreifen, die ich eigentlich gar nicht brauchte. Und ich hatte Angst, diesen Laden zu verlassen. Lange hielt ich mich noch bei den Zeitschriften auf, mit ständigem Umschauen, ob er wieder irgendwo sei. Schlussendlich habe ich mich auf den Nachhauseweg gemacht. In dem ständigen Gefühl, dass mir jeder auf den Hintern starrte und alle tuschelten, dass ich das Stadtgespräch sei. Der anschließende Einkau bei Aldi war unerträglich und der Weg nach Hause zog sich unendlich weit. Und ständig drehte ich mich um und hatte Angst, ihn gleich wieder zu sehen.

Wisst ihr Arschlöcher eigentlich, was ihr einer Frau mit sowas antut?
Mein Selbstbewusstsein ist im Keller. Ich fühle mich unwohl in meiner Haut. Und ich fühle mich unwohl in dieser Umgebung. Ich habe verdammt nochmal Angst. Und das, obwohl objektiv gesehen eigentlich nichts passiert ist.

Morgen geh ich zur Polizei. Anzeige gegen Unbekannt. Wenn ich Glück habe, gibt es von dir Bilder aus dem Überwachungsvideo. Und wenn nicht, war ich wenigstens kein stummes Opfer.

Ich hätte nie gedacht, dass sowas so an die Nieren gehen kann. Aber ich zittere auch 5 Stunden später noch immer, wenn ich daran denke.