Nachdem ich gestern in einer total tollen WG zu Besuch war und ein total tolles Zimmer gesehen habe, hat es mich heute wieder gepackt: Ich wollte aufräumen, ausmisten und meinen (Müll-)Besitz schmälern. Und nicht zuletzt mein WG-Zimmer etwas attraktiver gestalten.
In meiner WG ist mal wieder der Zettelschreibwahn ausgebrochen. Angehende Lehrer/innen scheinen dafür eine Veranlagung zu haben. Ich sag dazu nur: Methodenkoffer!
An diesem riesigen Geschirrberg bin im Übrigen ich schuld. Der steht da ungeheuerlicherweise schon seit gestern abend.
Ist ja nicht so, dass gewisse Leute, die Zetteln nicht abgeneigt sind, letztes Wochenende nach Hause gefahren wären und einen Suppentopf mitsamt Teller haben stehen lassen. Just sayin’.
Jetzt habe ich meine Ärger Luft gemacht. Danke für’s zuhören.
Wir haben eine neue Sommerabschnittsgefährtinmitbewohnerin. Seit heute morgen, 4:17 Uhr mitteleuropäische Zeit. Das wissen wir seit letzte Woche Donnerstag. WG-Leben ist was schönes.
Denn die dritte hier im Bunde hat sich spontan gedacht, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Sie wusste das nur wenige Wochen vor uns und hat sich dann gedacht: Ich setz denen einfach vorübergehend jemand anderes vor die Nase.
Wer das ist? Keine Ahnung. Man muss seine Mitbewohner auch nicht in alles einweihen. Schon gar nicht in die Suche eine vorübergehenden Mitbewohnerin. Wir müssen ja nur mit ihr zusammenwohnen. Pff.
Jedenfalls wussten wir nur: Sie kommt aus Russland und bleibt 2 Monate hier in der Wohnung. Und am Wochenende erfuhren wir dann noch, dass sie am Dienstag morgen um 4 Uhr hier ankommt und von einer Auslandspraktikumsorganisieragentur hergebracht wird.
Angie war so nett zu sagen, dass sie dann die Tür aufmacht und ihr das Zimmer zeigt und ich nicht aufzustehen brauche. Wach war ich trotzdem. Aber immerhin konnte ich liegen bleiben und zuhören, wie sie sich unsicher auf englisch mit der Sommerabschnittsmitbewohnerin unterhielt (diese kann nämlich kein Deutsch) und eigentlich nur wieder in ihr Bett wollte.
Heute morgen durfte sie dann auch noch kurz Ortskundige spielen, weil Sommerabschnittsmitbewohnerin irgendwo hin musste und nicht wusste, wo das ist. Kann also noch spaßig werden. Und ich fragte mich: Wofür ist so eine Auslandspraktikumorganisieragentur denn bitte gut, wenn man dem Mädel nicht mal noch erklärt hat, wie sie den ersten Tag in diesem ihr völlig unbekannten Ort und Land überstehen soll?
Ich hab sie noch nicht kennengelernt. Eigentlich hätte ich auch aufstehen können, weil ich schon lange nicht mehr so schlecht geschlafen habe. Aber meine Lust hielt sich in Grenzen. Habe noch zwei Monate Zeit, sie kennenzulernen und meine Englischskills zu improven.
“Kannst du mir mal das WLAN-Passwort geben?” “Wir haben kein WLAN, nur Kabel.”
“Das ist aber ein WLAN-Router, hat ja ‘ne Antenne. Und ich bräuchte das Passwort.” “Nee, hier gibt’s kein WLAN.”
Eine meiner Mitbewohnerinnen gestand mir gerade ihre Serienliebe und dass sie One Tree Hill für sich entdeckt habe.
Das ist der Beginn einer ganz großen Freundschaft.
Im ersten Moment absolute Erleichterung. Aber dann mischt sich auch etwas Angst und Unwohlsein dazu.
Völlig fremde Leute, andere Umgebung, weiter weg vom Mann.
Und auf einmal würde ich das am Liebsten wieder weit weg schieben.
So kindisch es ist, aber ich hab wirklich Angst vor der ersten Nacht dort. Aber das gehört vielleicht auch einfach dazu. Ich möchte lieber hier bleiben. Ein Mitbewohner weg, den anderen behalten.
Ich hab mir meine Zeit in Karlsruhe wirklich anders vorgestellt. Soll aber wohl nicht so sein.
Das Thema WG ist eigentlich seit Gießen abgehakt. Mit Beendigung meines Studiums habe ich mir gesagt: Nie wieder WG!
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Da der Jobstart in Karlsruhe nicht ganz gelungen verlief, kam ich zur Zwischenmiete bei einer Freundin unter. Die Zeit war recht angenehm aber sie ging auch vorbei. Die nächste WG-Zwischenmiete rief. Dies nimmt man auf dem Karlsruher Wohnungsmarkt dankend an, zumal ich so nicht einmal mit der Suche beginnen musste. Aber auch diese bequeme Phase neigt sich nun dem Ende zu. Mit Schrecken stellte ich am vergangenen Wochenende fest, dass sich bereits am 8. Mai die Dach-über’m-Kopf-Phase dem Ende zuneigt. Also schnell die Samstagsausgabe der BNN geschnappt und Wohnungen gesucht. Jetzt sollte es nämlich endlich meine eigene Wohnung sein.
Ich wurde jedoch schnell dank der harten Realität auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
20m²-Wohnung, zentral, unter 350 Euro warm? Schwierigst. Und hart umkämpft. Also von dem WG-Leben doch noch nicht ganz verabschieden und auf Nummer sicher gehen. Ab zu wg-gesucht.de und mal schauen, was es da so gibt. Eigene Anzeige geschaltet, zwei Personen angeschrieben. Eine hat reagiert.
So sah ich mir am Mittwoch eine 1-Zimmer-Wohnung an. Teppichboden. Bäh. Einkommensnachweis? Noch bähiger. Am Donnerstag die nächste Wohnung. Südstadt. 4. Stock. Kleines Fensterchen. Hinterhof. Najaaaa. Wenn’s denn sein muss. Traumwohnung sieht anders aus. Perfekte Lage ebenso. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch zwei WG-Besichtigungstermine für den nächsten Tag.
Der eine sagte aber kurzfristig zum zweiten Mal ab. Blieb nur noch eine WG.
Also schnappte ich mir am Nachmittag mein Rad und fuhr im leichten Regen in die Nordstadt. Da ich zu früh dran war, konnte ich mir noch ein wenig die Umgebung anschauen. Nett. Ein wenig dörflich. Gegenüber direkt die Tennisplätze und Sportplätze. Ruhige Gegend. Kann man sich dran gewöhnen. Das komplette Gegenteil der Südstadt demnach.
Woll’n wa ma schau’n, ob det auch mit de Wohnung so passt.
Durch den Hintereingang kommt man ‘rein. Ein wintergartenähnlicher Vorraum bietet die Möglichkeit eines Stauraumes für Staubsauger, Schuhe etc. Dann kommt die Küche. Wohnzimmer. Das Zimmer, das zu vergeben ist. Und zwei weitere Zimmer. Uralter, dunkler Parkettboden. Dunkle Möbel. Ganz nett. Sogar mit Rollladen. Immer wieder toll. Und ‘nen nichteinsehbaren Garten gibt’s auch. Ja, so kann man es aushalten.
18m². Internet. Kabel. Für 230 Euro. Kann man nicht meckern.
Nach 20 Minuten war’s vorbei. Am nächsten Tag wollte sich die Dame entscheiden. Und am Montag hatte ich noch einen Termin für eine andere Wohnung, für mich alleine und so.
Am nächsten Tag verließ ich mit leerem Akku das Haus. Und kam erst gegen Abend wieder. 3 Anrufe. 1 SMS. Eine E-Mail. Das Zimmer gehört mir, wenn ich es denn haben wolle. Mein Herz hüpfte, aber ich war hin- und hergerissen.
Doch die Vernunft sagte mir: Scheiß auf die eigene Wohnung, nimm das WG-Zimmer. Sämtliche Argumente sprachen für das Zimmer und gegen die Wohnung. Also das Telefon gezückt und zugesagt.
Das soll mir jetzt mal einer nachmachen. 5 Tage Wohnung suchen, 3 Wohnungen anschauen und dabei gleich einen Volltreffer landen.
Und schlussendlich: Wenn es schon nicht Berlin sein kann, dann will ich wenigstens die Berliner Straße haben. So hab ich zumindest das Gefühl, meinem Traum ein Stückchen näher gekommen zu sein.
In diesem Sinne pack ich meinen Kram und ziehe in den nächsten Tagen in die nächste Wohnung. Allmählich bin ich darin routiniert (Das wird dann mein 5. Umzug und der dritte innerhalb von Karlsruhe. Macht das mal nach.). Und nicht mehr nur zur Zwischenmiete zu wohnen hat sehr viele Vorteile. Neue Zeit, du kannst kommen. Job, du auch. Und das richtige WG-Leben hat mich auch bald wieder. Ein bisschen freu ich mich schon.
Mal kucken, ob eine Einweihungsparty stattfinden wird.
In wenigen Tagen steht der nächste Umzug in die nächste Übergangs-WG an.
Und vorab gibt’s schonmal ein paar Fotos. So der Urzustand. Möbliert und bücheriert.
Und die Zimmer werden immer kleiner. Die Umstellung von 34m² auf ein sehr viel kleineres Zimmer war schon übelst. Und jetzt nochmal ein bisschen weniger. Aber Platz ist bekanntlich auch in der kleinsten Hütte. Und es -wieder einmal- nur vorübergehend.