ALG-II-Fakten: Arbeit lohnt sich?!

Nur um mal ein paar Fakten festzuhalten:

Der Höchstsatz für einen alleinstehenden/alleinerziehenden ALG-II-Empfänger beläuft sich auf 359,- Euro.
Die Kosten für Unterkunft und Heizung werden bis zu einem Maximalbetrag zusätzlich übernommen. Ebenso Kautionszahlungen, sofern man diesen nicht aus eigener Kraft aufbringen kann.

So weit, so gut.

Nimmt ein ALG-II-Empfänger einen Job an (dessen Bezahlung aber nicht zum eigenständigen Leben ausreicht), gibt es einen Grundfreibetrag von 100 Euro und zusätzlich ist ein prozentualer Teil seines Lohnes anrechnungsfrei. Der Rest wird auf den ALG-II-Satz angerechnet.
In Zahlen bedeutet das, dass von beispielsweise 400 Euro gerade mal 130 Euro übrig bleiben. In andere Worten: Meine Arbeit wird mit 400 Euro bezahlt. Mein monatliches Einkommen erhöht sich dadurch aber nur um 130 Euro.
Rechnen wir mit 8 Stunden arbeiten am Tag, bedeutet das, dass ich ein „Gehalt“ von ca. 0,81 Euro. 81 Cent in der Stunde.

Diese Tatsache muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Und da soll mal einer sagen, dass sich Arbeit in diesem Fall finanziell lohnt.

10 Kommentare

  1. LexX Noel 24. Februar 2010 um 12:33

    Genau das ist mein Reden, so wie es bisher ist, da gibt es NULL Finanziellen Anreiz. Weil mein Verdienst mit Füßen getreten wird, eben weil mir von 400€ grade mal 130€ bleiben würden.

    Wobei die Anrechnung ab 100€ + 10% beträgt, also wären nach meiner Rechnung in etwa 110€ dann nur noch.

    Habe das gleiche Problem mit meinem Gewerbe, da gilt die gleiche Regelung. Das ist ganz schön frustrierend für Mich manchmal, wenn ich weiss das ich von sagen wir mal 200€ nur 110€ behalten darf.

    Ich bin zwar der Meinung das der Staat ruhig und gerne seinen Teil von meiner Arbeitskraft abhaben soll, aber bitte dann gerecht verteilt. Denn die Mehrwertsteuer zahle ich ja auch schon mit anbei oben Drauf!

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  2. Wolfgang Lörcher 25. Februar 2010 um 10:39

    Erstens wäre der Freibetrag 160.- Euro (400 – 100, zuzüglich 20% von 300 = 60), erst informieren, dann reden.
    Zweitens ist das ein falscher Ansatz. Gehen wir mal von 660 Euro Transferleistungen aus und rechnen die 160 dazu, arbeiten Sie für 820 Euro. Gehen wir bei einem 400-Euro Job mal von ca. 60 Stunden aus, verdienen Sie 13,66 Euro/Stunde.
    Menschen die so rechnen wie Sie, bringen die Hartz IV-Empfänger in Misskredit und liefern die Munition für Menschen wie Westerwelle.
    Höhere Zuverdienstgrenzen hätten zur Folge, dass sich weder für den Arbeitgeber, noch für den Arbeitnehmer eine sozialversicherungspflichtige Stelle lohnt. Das bedeutet steigende Ausgaben für Sozialleistungen bei gleichzeitig weniger Einnahmen.

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  3. zimtsternin 25. Februar 2010 um 11:34

    1. Bitte achten Sie auf Ihren Ton. Danke.
    2. Ich empfange derzeit selbst ALGII und habe meinen Bescheid als Grundlage für diese Analyse genommen.
    3. Mit den 20% haben Sie tatsächlich Recht. Dann wurde mein Bescheid nun wohl falsch ausgestellt, und mir mehr Geld abgezogen, als nötig.
    4. 60 Stunden bei einem 400-Euro-Job grenzt schon an Ausbeutung.
    5. Ich bringe hier niemanden in Misskredit, sondern äußere lediglich meine Meinung.

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  4. LexX Noel 25. Februar 2010 um 12:49

    Wichtigtuer will ich meinen, ob der wohl auch ALG2 bekommt oder Hartz4?

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    1. zimtsternin 25. Februar 2010 um 13:15

      @LexX Noel: Nee, natürlich nicht. Scheint ein Linke-Politiker zu sein. Google mal nach dem Namen.

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  5. sofienchen 25. Februar 2010 um 13:22

    Ich glaube Herr Lörcher ist bei seiner Berechnung von 60 Stunden im Monat ausgegangen, was ich bei einem 400€ Job noch angemessen finde. Und wenn ich deine Rechnung richtig verstanden hab, bist du von 8 Stunden am Tag bei 20 Tagen pro Monat ausgengangen: 130/(20×8)=0,81. Oder hab ich das falsch verstanden?
    Das wären ja dann 160 Stunden im Monat, das find ich aber für 400€ dann richtig krass.

    Ob das „mehr“, dass man rausbekommt wenn man einen 400€ Job annimmt ausreicht kann ich nur schwer beurteilen. Sicherlich ist es frustrierend wenn sich der eigene Verdienst finanziell nicht in dem Ausmaß bemerkbar macht, dass man sich wünscht. Andererseits sollte die Motivation zum Arbeiten vielleicht nicht „nur“ darauf beruhen mehr Geld zur Verfügung zu haben, sondern auch darauf mehr Selbstständigkeit zu erfahren, weil man ja dadurch ein Stück weit wieder selbst für den eigenen Lebensunterhalt aufkommen kann.

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    1. zimtsternin 25. Februar 2010 um 13:44

      @sofienchen: Ja, meine Berechnung hast du richtig verstanden. Und ich kann dazu nur sagen: So geschehen. Mir persönlich.
      Ich gebe dir Recht, dass die Motivation zu Arbeiten nicht nur dadurch entstehen sollte, dass man mehr Geld zur Verfügung hat. Aber mal angenommen, du bist gut ausgebildet und findest in deinem persönlichen Bereich keinen Job. Dann bist du eigentlich dazu „gezwungen“ auch einen anderen Job anzunehmen. Beispielsweise bei einem Discounter an der Kasse.
      Da arbeitest du dann überqualifiziert für 400 Euro und bekommst dann lediglich einen kleinen Teil mehr raus. Da geht doch sämtliche Motivation verloren.

      Sicherlich hat das noch etwas mit eigenem Stolz zu tun. Da geh ich auch lieber arbeiten. Aber über kurz oder lang wird einem der „Spaß“ verloren gehen, und man gelangt in einen Teufelskreis.
      Daher finde ich weiterhin, dass mehr Anreize geschaffen werden müssen. Gerade wenn man nur so wenig dazu verdient, dass man da mehr davon behalten darf. Dass sich dieser „Aufwand“ wirklich auch finanziell lohnt.
      Wie schon gesagt wurde, kommt dies der Gemeinschaft auch wieder zu Gute. Desto mehr Geld ich zur Verfügung habe, umso mehr kann ich konsumieren. Stichwort: Mehrwertsteuer.

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  6. Wolfgang Lörcher 28. Februar 2010 um 15:38

    Falls mein Ton falsch war, dann entschuldige ich mich hiermit.
    Problem ist einfach, wenn die Zuverdienstgrenzen erhöht werden, dann lohnt sich ein Vollzeitjob nicht mehr, auch nicht für Arbeitgeber. Wenn man diese Spirale zu Ende denkt, wird irgendwann jeder arbeitende Mensch dann vom Amt abhängig sein.
    Der nächste Punkt ist, diese Diskussionen geben den Nährboden für die Absenkung des Regelsatzes. Dies sind Steilvorlagen für Herrn Westerwelle. Ihr schreibt euch um Kopf und Kragen.
    Apropos, ich war selbst arbeitslos mit Hartz IV und habe auch Vollzeit als Leiharbeiter gearbeitet. Mit Freundin und Kind, habe ich 3-Schichten gearbeit, teilweise habe ich Müll aus gelben Säcken sortiert, das brachte mir dann ca. 200 – 240 Euro mehr, als zu Hause zu bleiben. Ich weiss ganz genau wovon ich rede.

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  7. Wolfgang Lörcher 28. Februar 2010 um 15:43

    Apropos Wichtigtuer. Ich investiere jeden Tag mehrere Stunden meiner Freizeit, ehrenamtlich um Empfängern von Hartz IV bei ihrem Kampf gegen die Behörden zu helfen. Ich besorge den Leuten das Geld, dass ihnen zusteht, ich halte Infoveranstaltungen ab und habe eine Erwerbsloseninitiative gegründet, die seit letzter Woche auch als gemeinnützig anerkannt ist. Wenn ihr das als Wichtigtuerei abtut, dann bin ich einer.

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  8. LexX Noel 28. Februar 2010 um 17:40

    Hier so reinzuplatzen mit dem Wort/Tonlaut, das war das Problem und ist es meiner Ansicht nach noch.

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