Es war mal wieder an der Zeit für ein kleines Experiment. Derzeit stolpert man ja ständig über Detox und Superfood und hastenichtgesehn. Ich habe mir schon ein paar dieser Safturen angesehen und diesmal bei einem Angebot endlich zugeschlagen. Ich will das jetzt ausprobieren. Also muss mal so eine Lieferung her. Es wird Frühling – der Zeitpunkt könnte also nicht besser sein.

Tag 0 – Dienstag – Die Vorbereitung

Ich habe Säfte bei Kale&Me bestellt und da deren Büro bei mir um die Ecke liegt, dachte ich, ich spare mir die Versandkosten und verbinde die Abholung mit einem kleinen Spaziergang durch die Sonne.
Klasse Idee. Nicht. Denn 20 kleine Flaschen mit Saft bringen doch ein kleines Gewicht zusammen. Detox mit Muskelkater inklusive quasi. Zuhause wird der erste Saft direkt probiert, denn ich habe zwei Flaschen kostenlos zu meiner Bestellung dazubekommen. Ja. Kann man trinken. Ich bin gespannt.

In der Beschreibung zur Kur steht, dass man sich schon einmal ein bis zwei Tage vorbereiten soll. Weniger Kohlenhydrate, Zucker, Alkohol und Koffein. Ich mache alles falsch und hatte mir mittags Sushi mit Frühlingsrollen bestellt, abends war ich zum Essen bei Freunden eingeladen und dem Wein konnte ich nicht widerstehen.

Ich überlege also, die Kur zu verschieben. Nach einem gemeinsamen Brainstorming stellen wir jedoch fest: Mein Terminkalender lässt das nicht wirklich zu. Besser wird es nicht. Also jetzt durchziehen.

Tag 1 – Mittwoch – Der Detox geht los

Mein Gemüsemann klingelt mich aus dem Bett – und liefert mir leckeres Gemüse und mein Lieblingsbrot. Mist. Ich widerstehe der Versuchung, verzichte auf meinen morgendlichen Kaffee, schnappe mir die Säfte fürs Büro und ziehe los. Unterwegs trinke ich den ersten. Ist ganz lecker.
Im Büro angekommen sitzen meine lieben Kollegen an einem gedeckten Frühstückstisch. Ich bin guter Dinge und lasse ihnen den Spaß. Verziehe mich an meinen Schreibtisch und freue mich schon auf den nächsten Saft. Dazwischen gibt es Fenchel-Anis-Kümmel-Tee. Und alle 30 Minuten muss ich mal.

Mein zweiter Saft verzögert sich um 30 Minuten. Eine Telefonkonferenz kam dazwischen. Dafür schmeckt er umso besser. Karotte-Apfel-Ingwer ist eh meine Lieblingsmischung.

Allmählich macht sich Hunger breit. Die Agentur-Kinder essen Fischstäbchen, ich trinke Saft Nummer 3. Und der schmeckt gewöhnungsbedürftig. Außerdem hat er Bröckchen in sich. Aber ich schaffe es, ihn leer zutrinken. Ich fühle mich säuerlich und habe das Gefühl von Halsschmerzen. Hmm. Erstmal wieder eine Tasse Tee für zwischendurch. Kopfschmerzen kommen allmählich auch dazu.

Die Zeit zu Saft 4 verging wie im Fluge. Diesmal mit Rote Bete, die man sehr herausschmeckt. Ich mag Rote Bete, aber das kam so plötzlich. Meine Kopfschmerzen werden schlimmer, meine Laune ein wenig schlechter. Und weiter das Gefühl, dass mir das einfach zu viel Zitrone ist.

Der 5. Saft des Tages bringt Sellerie mit sich. Schmeckt man doll raus. Ich bin froh, dass ich das ganze Gemüsezeugs ja mag. Und ich bin auch froh, dass jeder Saft anders schmeckt. 6 Mal am Tag das gleiche wäre nicht aushaltbar. Somit ist es jedes Mal wieder eine kleine Überraschung und auch ein bisschen Vorfreude, wie der denn jetzt so schmecken wird.

Dann geht es mit Kopfschmerzen und Kältegefühl ab nach Hause. Zwischendurch noch kurz in die Stadt zum Apple Store, vorbei am MöGrill. Currywurst- und Pommesgeruch ziehen auf, aber ich bleibe stark. Bald, meine Lieben, bald wieder. Aber heute nicht. Puh. Geschafft. Ich bin ein wenig stolz auf mich. Irgendwie steckt also doch noch ein bisschen Disziplin in mir.
Zuhause angekommen mache ich mir ein wenig Gemüsebrühe. Ich brauche mal was salziges gegen diese ganzen zitronigen und eher süßen Detox-Säfte.
Dann folgt der letzte Saft des Tages. Endlich was milchiges. Mit Mandel. Ganz ehrlich? Das tut richtig gut. Und wirkt sättigend. Damit sollte ich die Nacht überstehen.

Ich gehe zeitig ins Bett, weil ich absolut müde bin und schlafe schnell ein.

Tag 2 – Donnerstag – Durchhalten!

Ich erwache mit Halsschmerzen, Schnupfen und Husten. Hallo Erkältung. Das ist jetzt etwas ungünstig und unangenehm. Das Gute: Wenig Appetit. Also nehme ich mir vor, den Detox weiter durchzuziehen. Immerhin sind das Vitamine und Vitamine sind doch gut, wenn man krank ist.

Ich bleibe bis zum Mittag im Bett, arbeite von dort aus und habe nur einen Gedanken: Feste Nahrung! Was kann ich alles wieder essen, sobald die Kur vorbei ist. Kuchen. Pommes. Brot. Steak. Burger. Alles klingt so fantastisch und ich bin fast froh, krank zu sein und nicht raus zu müssen.
Vor allem: Ich habe alles im Haus. Ich bin krank und muss nun nicht raus, um mir was zu Essen zu besorgen. Fantastisch. Es hat also auch seine Vorteile.

Bis zum Nachmittag fällt mir die Säure der Säfte gar nicht wirklich unangenehm auf und ich freue mich schon. Aber dann kommt es doch. Also wieder eine Gemüsebrühe für zwischendurch. Die ich nicht ganz auf esse. Mir missfällt der Geschmack. Ohweia.

Allerdings habe ich keine Kopfschmerzen bisher. Doch zu früh gefreut, abends tauchen sie wieder auf. Punkt 22 Uhr liege ich wieder im Bett. Müde. Erschöpft. Ich schlafe auch ganz schnell wieder ein. Wow. Das kenne ich seit über einem Jahr nicht mehr. Ich mag das. Das kann so bleiben.

Tag 3 – Freitag – Der letzte Tag

Ich wache auf … und habe Hunger. Aber es gibt nichts. Das Gefühl verzieht sich wieder, anstatt schlimmer zu werden. Das ist eine gute Entwicklung.
Ich stehe auf und genehmige mir ein großes Glas voll Wasser. Soll morgens gut sein, weil man während des Schlafs nichts trinkt. Möchte ich mir angewöhnen. Doch dieses Glas Wasser startet wieder das Hungergefühl. Zum Glück hab ich ja noch Saft im Kühlschrank. Los geht’s. Tag 3 bedeutet letzter Tag. Das schaffe ich.
Für die Motivation geht es mal kurz auf die Waage: 2 Kilo weniger (jaja, ich weiß, alles nur Wasser, aber das soll ja auch raus, alles gut). Und der Blick in den Spiegel zeigt mir wieder einen flacheren Bauch. Auch schön.

Aber diese Kopfschmerzen. Die machen mich echt fertig und ich weiß nicht, woher die nun kommen. Immer noch der Zuckerentzug?

Auch an Tag 3 habe ich immer noch dieses Hungergefühl. Aber es ist mittlerweile gut auszuhalten. Ich habe mich daran gewöhnt, dass es mein ständiger Begleiter ist und tigere nicht durch die Wohnung und öffne zig mal den Kühlschrank.

Heute fühle ich mich auch nicht so sauer-zitronig. Der Mittag läuft ganz gut. Der Nachmittag zieht sich jedoch. Nervinternet. Nerv-Macbook. Also wieder zu Apple. Rechner löschen und neu installieren. Zuhause angekommen noch mehr genervt sein, weil neues Betriebssystem. Ich hatte wohl noch ein altes und da haben sich ein paar Sachen geändert. Aaaaah.
Kopfschmerzen gesellen sich wieder hinzu. Irgendwann gebe ich auf. Feierabend. Ab ins Wohnzimmer unter die Decke. Ich muss mir was Gutes tun.

Das Praktische ist jedoch: Nach dem letzten Saft abends um 19 Uhr kann ich direkt ins Bad, abschminken, Zähne putzen. Denn da kommt nichts mehr an Essen und Nascherei. Somit bin ich direkt bettfertig und kann ins Bett fallen, ohne den Weg über’s Bad zu nehmen.

Auch heute gehe ich wieder zeitig ins Bett. Allerdings klappt das mit dem Einschlafen diesmal nicht sehr gut. Auch in der Nacht wache ich mehrfach auf.

Tag 4 – Samstag – Der Detox ist vorbei!

Ich wache bereits gegen 6 Uhr auf, will aber definitiv noch nicht aufstehen. Also höre ich mir einen Podcast an. Mein Magen signalisiert mir Hunger. In den letzten drei Tagen habe ich aber gelernt, dass man das aushalten kann, also ignoriere ich ihn. Trinke ein Glas Wasser, das reicht erst einmal.
Ich freue mich aber dennoch auf mein Brot später. Und kurz nach 9 Uhr ist es dann auch so weit. Brot mit Honig. Herrlich. Eigentlich wollte ich auch einen Kaffee dazu. Entkoffeiniert. Aber den spare ich mir dann doch erst einmal.

Was hat sich durch den Detox geändert?

  • Hungergefühl kann ich besser aushalten. Es macht mich nicht direkt unruhig und führt mich nicht zum Kühlschrank.
  • 3 Kilo sind laut Waage verschwunden. Wasser hauptsächlich. Aber immerhin.
  • Meine Haut ist schlechter geworden, kann aber auch am Kranksein liegen.
  • Ich fühle mich tagsüber tatsächlich etwas fitter und ich habe den Wunsch, meinem Körper nun etwas Gutes zu tun und ihn aktuell nicht mehr mit so viel Blödsinn zuzuschaufeln.

Außerdem bin ich froh, doch noch so etwas wie Disziplin zu haben. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffe, die 3 Tage komplett durchzuziehen, ohne doch an irgendeiner Stelle mal kurz zu cheaten.

Mal sehen, wie lange das nun alles anhält und was sich langfristig wirklich verändert. Nur eines kann ich jetzt schon sagen: So ein frischer Saft fehlt mir grade echt ein bisschen.

Fazit

Es war eine interessante Erfahrung und auch ganz lecker. Dennoch habe ich, glaube ich, keine Lust mehr, einen Detox in dieser Intensität noch einmal zu machen. Wie schafft man das nur 5 Tage lang?! Zumal ich auch nicht glaube, dass es wirklich gut für den Körper ist.

Spannend und auch erschreckend waren die Entzugserscheinungen. Diese heftigen Kopfschmerzen, weil ich keinen industriellen Zucker zu mir nahm und vermutlich auch aufgrund des fehlenden Koffeins. Wie ich gelesen habe, könnte auch das Kranksein am 2. Tag eine Folge des Zuckerentzugs sein. Das gibt mir zu Denken und ich versuche, Zucker auch zukünftig zu reduzieren. Ganz darauf verzichten werde ich wohl nicht, aber definitiv mehr darauf achten, was mein Körper wirklich will, wenn er meint, er habe Lust auf Zucker. Passenderweise habe ich vor ein paar Wochen ein Rezensionsexemplar von 5 Tage Real Food Detox erhalten, in dem ein paar nachvollziehbare Ansätze stehen, die zu einer Ernährungsumstellung und besseren Essgewohnheiten führen. Das ist wohl durchaus sinnvoller. Aber dazu dann an anderer Stelle dann mehr.

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