Vor zwei Jahren bemerkte ich, dass mit mir irgendwas nicht so richtig stimmt. Ich war antriebs- und lustlos, wenig begeisterungsfähig. Mit den folgenden Monaten nahm das mal ab und wieder zu, doch letztendlich wurde es immer schlimmer. Ich fühlte mich zunehmend unwohler mit allem und hatte irgendwie das Ich-selbst-sein verlernt und den Bezug zu mir verloren. Das klingt für den ein oder anderen vermutlich recht seltsam, aber genau das beschreibt es so gut. Wo wollte ich hin? Wie wollte ich sein? Was sind meine Ziele? Meine Erwartungen?

Irgendwie zog und zerrte jeder an mir herum. Diverse Menschen konfrontierten mich mit ihren Zielen und ihren Erwartungen an mich und dem, was sie sich für mich vorgestellt haben. Aber was war mit mir? Was wollte ich denn? Das ganze Gezerre und Gezetere und Beschwöre war so laut, dass ich mich selbst nicht mehr hören oder verstehen konnte. Es war sogar so laut, dass ich lange gar nicht mitbekam, was da passierte. Ich verlor mich. Den Bezug zu mir selbst.

Irgendwann sah ich mich dann gewissermaßen gezwungen, etwas grundlegend zu ändern. Also habe ich die folgenden Monate viele Entscheidungen getroffen und mich auch von vielem getrennt. Ich habe meinen Kleiderschrank mehrfach ausgeräumt (und es ist schon wieder viel zu viel drin, die nächste Ausmistrunde steht bereits an), Zeitschriften und Bücher ausgemistet, aber auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis habe ich aufgeräumt.

Noch vor wenigen Monaten sah dieser Kreis sehr viel anders aus, als jetzt. Aber jetzt bin ich sehr viel zufriedener. Umgib dich mit Menschen, die dir gut tun und dich zu Höherem anspornen und motivieren.

No matter what your current circumstances are, if you can imagine something better for yourself, you can create it.

Dabei musste ich auch Menschen gehen lassen, die mich bereits seit vielen Jahren begleiten, aber mir irgendwie eben nicht mehr gut tun, aus den verschiedensten Gründen. Das schwierigste dabei war für mich, zu akzeptieren, dass das ok so ist und dass ich kein schlechter Mensch deshalb bin. Ich muss mich nicht rechtfertigen und ich muss auch nicht für jeden da sein und jedem zig Chancen geben. Ich darf diese Entscheidung treffen, wenn ich merke, dass ich mich durch andere Menschen einschränken lasse oder sie und ihre Art und Weise dazu führen, dass ich mich schlecht und nicht mehr wohl fühle. Wenn ich mich von diesen Menschen trenne, bedeutet das nicht, dass ich ein schlechter Mensch bin. Es bedeutet auch nicht, dass diese Menschen selbst schlecht sind. Nicht im geringsten. Es bedeutet viel eher, dass wir eben nicht mehr zusammen passen. Dass unsere Zeit entweder vorüber, oder zumindest nicht Jetzt ist.

Das war ein harter Schritt und erst kürzlich habe ich mich mit einer Freundin genau darüber unterhalten. Sie meinte, dass sie dafür immer viel zu lange braucht und immer wieder und wieder aufs Neue mit den gleichen Leuten beginnt und sie sich wünschen würde, sie könnte früher aufhören damit. Ja. Habe ich viele Jahre auch genau so gemacht. Ich will nicht sagen, dass das die einzig richtige Lebensweise ist, aber für mich ist das derzeit genau richtig so.

Ich habe ausgemistet und jetzt Menschen um mich herum, auf die ich mich in der Vergangenheit sehr verlassen konnte. Die da waren, als es mir schlecht ging. Die mich verstehen und die mich so mögen, wie ich jetzt gerade bin. Die mich nicht verurteilen. Die mich nicht belehren. Die einfach ehrlich zu mir sind.

Meine Freunde und Bekannte könnten unterschiedlicher mittlerweile nicht mehr sein. Und dennoch passen sie genau deshalb so gut zusammen. Vor allem aber passen sie alle zu mir und ich habe jeden einzelne von ihnen sehr gerne.

9

3 Kommentare

  1. Katrin 22. März 2017 um 18:58

    Hallo Melanie,
    ist ne schwierige Kiste, sich von alten Freunden zu trennen. So ein bißchen trennt man sich ja damit auch von der Person, die man selbst in dieser Freundschaft war – jedenfalls für mich fühlt sich das manchmal auch so an.
    Ich finde das gut, dass Du das so klarstellst, dass das wirklich keinerlei Abwertung des anderen ist – es passt manchmal einfach nicht mehr so richtig und (das glaube ich auch fest) das merkt der/die andere ja auch. Manche Menschen gehen eben nur ein Stück des Weges mit.
    Ich schaffe diese Trennungen allerdings nie so richtig gut – meistens schläft es dann irgendwie ein – selten gibt es noch ein Gespräch, manchmal noch eine mail oder einen Brief – ich hab da noch keinen guten Weg gefunden, Abschied zu nehmen.
    Und trotzdem ist es erleichternd, wenn man dann da raus ist, denn es kostet zu viel Energie, gegen seine eigenen Wahrnehmung zu leben!
    Von daher, Glückwunsch, dass Du das so hingekriegt hast und – vielleicht – kann man sich auch ein wenig darauf einstellen, dass es nicht immer ‚fürs Leben‘ sein muss ;-)

    Liebe Grüße
    Katrin

    Antworten
  2. Melanie 23. März 2017 um 11:50

    Danke dir für diesen langen Kommentar!
    Man trennt sich absolut auch von sich selbst. Das muss man erst einmal können und dazu gehört viel Kraft und Mut.
    Zugegeben trenne ich mich da auch nicht wie in einer Beziehung mit großen Worten. Es schläft ein. Und das ist ok so. Ich denke dann merkt man eh, dass es von beiden Seiten gerade möglicherweise nicht so gut passt. Und es muss auch nie eine Entscheidung für immer sein. Was mir heute schlecht tut, hilft mir in ein paar Wochen vielleicht wieder. Ich glaube es geht einfach nur darum, das zu erkennen und es auch mal gut sein zu lassen. Und – ja – loslassen und sich trennen können, wenn es eben so sein soll.

    Antworten
  3. Nele 24. März 2017 um 08:10

    ?

    Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.